Musterdepots
Der sechsstellige Dax

Es ist gar nicht solange her, als sich Aktienmarktexperten mit den Prognosen für den Dax gegenseitig übertrafen. Musterdepot-Autor Georgios Kokologiannis sah diese Entwicklung kritisch – zu Recht, wie sich jetzt zeigt.
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Wenn unter Experten extreme Einigkeit herrscht über die weitere Marktentwicklung an den Börsen, sollten Anleger besonders kritisch agieren. So wurde die Wette auf eine Fortsetzung des Euro-Absturzes lange Zeit als Freifahrtschein zum Geldverdienen gehandelt. Die Parität zum Dollar galt als ausgemachte Sache. Doch seit rund zwei Monaten entwickelt sich die Gemeinschaftswährung völlig anders als prognostiziert. Der Blick auf die Umsatzstatistiken der Derivatebörsen offenbart, dass sich hier offenbar massenhaft auch Kleinanleger mehr als nur die Finger verbrannt haben.

Mit immer düsteren Preisprognosen haben sich Analysten in den vergangenen Monaten auch bei Rohöl überboten. Fachleute von Goldman Sachs warnten etwa im Januar davor, dass vor dem Jahresende keinesfalls mit einer Erholung der Ölpreise zu rechnen sei. Die Realität ist eine andere: Seitdem haben die Notierungen für den weltweit wichtigsten Rohstoff bereits wieder um mehr als ein Drittel zugelegt.

Die US-Investmentbanker haben sich beim „Schwarzen Gold“ auch schon in die entgegengesetzte Preisrichtung als Kontraindikator verdient gemacht: Vor ziemlich genau acht Jahren reihten sie sich in die Gruppe derjenigen ein, die eine Fortsetzung der damaligen Ölpreis-Rally für alternativlos hielten - und setzten sich mit ihrem Kursziel von bis zu 200 Dollar für ein Barrel an die Spitze der damals euphorischen Preisprognosen. Nur kurz danach kollabierten die Preise um mehr als drei Viertel.

Nicht beim schwarzen, sondern beim echten Gold lag die Analystenzunft im Spätsommer 2011 spektakulär daneben: Während es nur als eine Frage der Zeit dargestellt wurde, bis der Unzenpreis für das Edelmetall die 2000-Dollar-Marke überspringen würde, legte Gold plötzlich den Rückwärtsgang ein und bescherte Späteinsteigern, die auf die gebetsmühlenartig wiederholten Kaufempfehlungen vertrauten, einen Verlust von rund 40 Prozent.

Hellhörig werden sollten Investoren auch jetzt, wenn in Zusammenhang mit Geldanlage die unheilschwangeren Phrasen „alternativlos“ und „nur eine Frage der Zeit“ fallen und immer aufmerksamkeitsheischendere Kursziele ausgerufen werden. Ein Wettkampf um die spektakulärsten Prognosen ist zuletzt vor allem am deutschen Aktienmarkt entbrannt: Nachdem der Dax die 12.000er-Marke im vergangenen Monat geknackt hat, riefen die ersten Fachleute bereits 14.000 Punkte als Jahresendziel aus.

Mittelfristig seien selbstredend auch 20.000, 30.000 und mehr Zähler drin. Manch ein Anlageexperte fühlt sich nach der Endlos-Hausse der vergangenen Jahre sogar dazu ermutigt mit vollends unseriösen Kursprognosen zu kokettieren: Bei den extremen Niedrigzinsen am Anleihemarkt komme man derzeit rein rechnerisch auf einen fairen Dax im sechsstelligen Bereich...

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