Musterdepots
Die Jahresendrally an der Wall Street könnte ausfallen

Trotz der aktuell schon hohen Bewertungen von US-Aktien erwarten viele Experten zum Jahresende weiter steigende Kurse. Musterdepot-Autor Georgios Kokologiannis hegt da so seine Zweifel.

Experten erwarten in der gerade angelaufenen Berichtssaison der US-Unternehmen den sechsten Rückgang bei den Quartalsgewinnen in Folge. Dennoch phantasieren Optimisten von einer anstehenden Jahresendrally an der Wall Street - trotz bereits jetzt extrem hoher Bewertungskennzahlen. So liegt etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der aktuellen Firmengewinne an der Wall Street bei über 20 - und damit mehr als ein Viertel über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Hauptargument der Bullen: Analysten rechnen im kommenden Jahr mit dem Ende der längsten Gewinnrezession seit der Finanzkrise.

Und in der Tat: Laut dem führenden Datendienst Factset prognostizieren sie ein Ertragsplus von 13 Prozent für die Firmen im S&P 500. Woher solch ein plötzlicher Geldregen ausgerechnet in der Endphase der mehr als sieben Jahre währenden konjunkturellen Expansion aber kommen soll, ist mir schleierhaft. Die weltweit größte Volkswirtschaft läuft mittlerweile fast nur noch auf einem Zylinder: Dem Konsum. Und selbst der fängt an zu stottern.

So sind die am vergangenen Freitag vermeldeten Zahlen zu den Verbraucherausgaben nur oberflächlich betrachtet positiv: Zwar sind demnach die Einzelhandelsumsätze in den USA im September saisonbereinigt um immerhin 0,6 Prozent zum Vormonat gestiegen. Insgesamt liegen sie aber im dritten Quartal nur 0,7 Prozent über dem Vorquartal – Tendenz schrumpfend: Denn im zweiten Quartal hatten die Konsumausgaben noch um 1,4 zum Vorquartal zugelegt.

Gleichzeitig sinken derzeit auch die Gewinnmargen der US-Unternehmen, weil die Lohnstückkosten schneller steigen als die erzielbaren Absatzpreise der Firmen. Kaschiert wurde die sich seit Monaten verschlechternde Geschäftsentwicklung der Unternehmen bisher durch die massiven Aktienrückkäufe der US-Firmen: Die führen dazu, dass trotz sinkender Gesamtgewinne, der Ertrag je Aktie konstant bleibt – oder sogar steigt. Um die Erträge nicht nur kosmetisch zu schönen, müssten die Unternehmen dagegen ihre Absatzpreise spürbar erhöhen.

Damit steckt der Aktienmarkt aber erst recht in einer Zwickmühle: Gelingt es den Firmen tatsächlich höhere Absatzpreise durchzusetzen, würde sich zwar ihre Gewinnentwicklung wie von den Analysten prognostiziert verbessern. Davon werden die Aktienkurse aber nicht nachhaltig profitieren. Denn deutlich steigende Inflationsraten bei den Endabnehmerpreisen würden die US-Notenbank Fed unter Druck setzen, endlich die immer wieder verschleppte Leitzinserhöhungen umzusetzen. Und dann konsequenter als es den Börsenbullen lieb sein kann.

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Eine österreichische Geduldsprobe

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Eine Woche im Zeichen der Quartlasbericht

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