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Die Ruhe vor dem Sturm

Georgios Kokologiannis warnt vor der trügerischen Ruhe an der Börse. Denn in den USA tagt bald die Fed, die Briten stimmen über den Brexit ab und das BGH urteilt über das EZB-Vorgehen. Er rät zu frühzeitigem Handeln.

Drei Entscheidungen in Deutschland, Großbritannien und den USA im Juni werden ausschlaggebend dafür sein, welche grundsätzliche Richtung die Aktienmärkte hierzulande in den kommenden Monaten einschlagen werden. Je nachdem, welches Szenario Anleger für am wahrscheinlichsten erachten, sollten sie sich schon jetzt frühzeitig positionieren.

Auf ihrer Ratssitzung am 14. und 15. entscheiden die Notenbanker in den USA darüber, ob die Leitzinsen für die weltweit größte Volkswirtschaft erhöht werden. Am 21. Juni will das Bundesverfassungsgericht sein Urteil im Streit um das umstrittene Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank verkünden. Und zwei Tage später stimmen die Briten  über ein mögliches Ausscheiden aus der Europäischen Union ab. Schon jedes einzelne dieser Ereignisse hat das Zeug dazu, die aktuelle Seitwärtsphase an den Börsen dauerhaft zu beenden – erst Recht aber in ihrer Gesamtheit.

So ist es unzweifelhaft, dass etwa ein Votum im Vereinigten Königreich für einen „Brexit“ zu einem europaweiten Kurssturz führen dürfte – einzig was dessen Umfang angeht, sind sich Anlageexperten uneins.

Massive Reaktionen an den Börsen können auch die Karlsruher Richter auslösen: Anlass des Gerichtsverfahrens am BGH ist die umstrittene Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi von 2012, zur Beruhigung der Finanzmärkte notfalls unbegrenzt Anleihen aufzukaufen. Schon die Ankündigung dieser beispiellosen Maßnahme führte damals zu einem massiven Zinsrückgang bei Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie und gilt als maßgeblicher Auslöser dafür, dass der damalige Ausverkauf an den Finanzmärkten gestoppt wurde.

Welche Folgen eine US-Leitzinserhöhung im Juni haben könnte, zeigt schließlich ein Blick auf die heftige Volatilität an den Kapitalmärkten weltweit, die vergangenen Dezember durch die damalige Zinsanhebung der Federal Reserve (Fed) ausgelöst worden war. Zumal anders als Ende vergangenen Jahres die meisten Investoren momentan den Worten der Zentralbanker misstrauen – und mehrheitlich keine weitere Straffung der Geldpolitik erwarten.

Die meisten Währungshüter waren laut der jüngst veröffentlichten Protokolle der geldpolitischen Sitzung vom April der Meinung, dass eine Straffung im Juni angebracht sein könnte. Die einzelnen Einschätzungen innerhalb der Fed darüber, ob die wirtschaftliche Entwicklung einen Zinsschritt rechtfertigt, gingen dabei aber weit auseinander.

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