Musterdepots
Die Spannung steigt

Der mögliche Brexit verunsichert die Anleger. Kaum beachtet ist ein anstehendes höchstrichterliches Urteil zur EZB-Geldpolitik. Und auch Italien steht im Fokus. Wie sich die Geld-Profis jetzt aufstellen.

FrankfurtWie von einem Großteil der Marktteilnehmer erwartet, hat die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins vergangene Woche unangetastet gelassen. Die Fed-Funds-Rate liegt weiterhin in einer Spanne zwischen 0,25 Prozent und 0,50 Prozent. Auf der Pressekonferenz betonte Fed-Präsidentin Janet Yellen, dass die Fed nach wie vor plane, in Abhängigkeit von den Konjunkturdaten die Zinsen in diesem Jahr weiter anzuheben.

Das anstehende EU-Referendum in Großbritannien habe bei der Entscheidung, auch im Juni weiter abzuwarten, eine Rolle gespielt. Für die USA erwartet Yellen ein weiterhin moderates aber stabiles Wirtschaftswachstum. Ein Ende der Erholung am Arbeitsmarkt sei nicht in Sicht, auch wenn die Dynamik zuletzt etwas nachgelassen habe.

Der sogenannte Dot-Plot, in dem die Einzelprognosen der Mitglieder des Federal Open Market Committee durch Punkte dargestellt werden, zeigt jedoch, dass die Zinsphantasien der FOMC- Mitglieder weitestgehend der Ernüchterung gewichen sind.

Zwar hat sich auf den ersten Blick für das Jahr 2016 nichts geändert: Nach wie vor prognostizieren die Notenbanker im Durchschnitt zwei Zinsanhebungen. Ein Vergleich des Dot-Plots aus der März-Sitzung mit dem aus der Juni Sitzung zeigt jedoch, dass die Anzahl der FOMC-Mitglieder, die nur noch von einer Zinserhöhung ausgeht von eins auf sechs angestiegen ist. Gab es im März noch sieben Notenbanker, die sogar drei bis vier Zinsschritte in Betracht gezogen haben, so ist dieser Wert im Juni auf zwei gesunken.

Noch eklatanter fällt der Unterschied der März und Juni Dot-Plots für die Jahre 2017 und 2018 aus. Im Mittel fielen hier Leitzinserwartungen von 1,9 Prozent auf 1,6 Prozent für 2017 und von 3,0 Prozent auf 2,4 Prozent für 2018. Ein FOMC-Mitglied geht sogar nur noch von einem Zinsschritt bis Ende 2018 aus. Indes hat der Markt, gemessen an den Fed Funds Futures, eine Zinserhöhung in diesem Jahr bereits nahezu ausgepreist.

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