Musterdepots
Ein Musterschüler weicht vom Kurs

In Portugal herrscht gerade politisches Chaos. Vor allem von der linken Seite baut sich immer mehr Druck auf. Handelsblatt-Autor Daniel Hupfer macht sich Sorgen um das Rating des einstigen Spar-Musterlandes der EU.

Einer der Musterschüler der Eurozone gerät ins Wanken. Die nach der Wahl von Anfang Oktober ungelöste politische Situation in Portugal hat das Potenzial sich zu einer handfesten Krise auszweiten. Am Dienstag Abend hat die linke Mehrheit im portugiesischen Parlament das Regierungsprogramm des amtierenden Ministerpräsidenten Coelho mit 123 zu 107 Stimmen abgelehnt und damit die Regierung gestürzt. Sozialistenchef Costa möchte eine Minderheitsregierung etablieren und sich bei Abstimmungen vom marxistischen Linksblock, den Kommunisten und den Grünen tolerieren beziehungsweise unterstützen lassen.

Es liegt nun an Staatspräsident Silva zu entscheiden, ob er Costa das Mandat zu einer Regierungsbildung erteilt oder ob er vorzeitige Neuwahlen ausruft, die aufgrund der portugiesischen Verfassung allerdings nicht vor April 2016 durchgeführt werden können. Bisher hat Silva einer Koalition aus Sozialisten und linksextremen Parteien allerdings eine klare Absage erteilt. Der Schachzug von Sozialistenchef Costa, keine Koalition zu bilden, sondern eine Minderheitsregierung anzuführen, könnte allerdings von Erfolg gekrönt sein.

Erschwerend kommt für Portugal hinzu, dass die EZB im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms Staatsanleihen nur erwerben kann, wenn mindestens eine der vier Ratingagenturen Moody´s, Standard & Poor´s, Fitch und DBRS ein Investmentgrade-Rating vergibt. Dies ist derzeit nur bei DBRS der Fall. Und wie es der Teufel will, steht das Rating Portugals bei DBRS diesen Freitag zur Überprüfung an. Sollte Portugal allerdings das letzte Investmentgrade-Rating verlieren und somit bei den Anleihekäufen der EZB außen vor bleiben, hätte dies einen verstärkten Abgabedruck und eine sprunghaft ansteigende Illiquidität zur Folge. Wir schätzen das Chance-Risiko-Profil aktuell als negativ sein. Daher raten wir dazu vorhandene Positionen an Staatsanleihen aus Portugal zu verkaufen und die Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen abzuwarten

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