Musterdepots
Eine selbsterfüllende Prophezeiung

Charttechnik ist für viele Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Doch die 200-Tage-Linie kennen viele Investoren und halten sich auch an ihre einfache Faustregel. Die Folge könnte ein Jahresschlussrutsch sein.
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Statt der meist üblichen Weihnachtsrally drohen dem Dax dieses Jahr in den verbleibenden Handelstagen massive Verluste. Davor warnen derzeit technische Analysten. Hintergrund ist, dass der deutsche Leitindex nach dem heftigen Rückschlag der vergangenen Woche seiner sogenannten 200-Tage-Linie bedrohlich nah gekommen ist, die derzeit bei rund 9.530 Punkten verläuft. Rutscht der Dax darunter, dann könnte es im Anschluss laut Einschätzung der Experten bis auf das Jahrestief von 8.355 Zählern runtergehen.

Die Kurve beschreibt den gleitenden Durchschnittswert der Notierung in den zurückliegenden 200 Tagen und es gilt folgende Faustregel: Verkaufe wenn der Kurs unter diese Linie absinkt – und kaufe im umgekehrten Fall. Weil die Handlungsanweisung so eingängig ist, orientieren sich auch massenhaft solche Anleger daran, für die Charttechnik sonst ein Buch mit sieben Siegeln ist. Die Folge: Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Welche Dynamik dadurch tatsächlich entstehen kann, dass viele Investoren diese Linie als Orientierungspunkt nutzen, konnte man in diesem Jahr bereits mehrfach beobachten – zum Beispiel Mitte November: Nachdem der Dax die 200-Tage-Linie von unten nach oben überraschend durchstoßen hatte, kletterte das Börsenbarometer anschließend schubartig noch deutlich – auf ein neues Allzeithoch im fünfstelligen Bereich. Deutlich höher also als es meiner Überzeugung nach fundamental gerechtfertigt war.

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