Musterdepots
Finanzaufsicht mit Fauxpas

Wie wichtig Rhetorik in der modernen Geldpolitik ist, hat Mario Draghi mehrmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dass gerade seiner EZB eine heikle Kommunikationspanne unterläuft, besorgt Depotstratege Daniel Hupfer.
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Die Europäische Zentralbank leistete sich jüngst eine veritable Kommunikationspanne. So gab Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré in einer nichtöffentlichen Veranstaltung in London bekannt, die Notenbank werde ihre Anleihekäufe der Liquiditätssituation entsprechend anpassen. Bis zum Sommer und im Herbst werde die EZB mehr Anleihen kaufen, in den traditionell weniger liquiden Sommermonaten würden die Käufe dagegen reduziert.

Diese Information war neu und marktrelevant, schließlich hieß es vorher, die EZB werde im Rahmen ihrer Geldpolitik jeden Monat Anleihen im Volumen von konstant 60 Milliarden Euro aufkaufen. Ein Blick auf den Euro/US-Dollar Wechselkurs zeigt, dass es um den Zeitpunkt des Treffens zu einer sichtbaren Reaktion gekommen ist; es wäre durchaus möglich, dass die von Coeuré verbreiteten Informationen den Ausschlag zu dieser Bewegung gegeben haben. Der breiten Öffentlichkeit wurden die neuen Pläne der Notenbank jedoch erst am Morgen des Folgetages bekannt.

Dies löste weitere Euro-Verkäufe aus, und die Gemeinschaftswährung verlor binnen kurzer Zeit rund 1,2 Prozent an Wert. Auch wenn dies absolut nur wenig erscheint, für den Devisenmarkt handelt es sich um eine sehr starke Bewegung, mit der, sofern sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit antizipieren lässt, Gewinne in einem erheblichen Ausmaß erzielt werden können.

Insofern halten wir es für bedenklich, dass die Notenbank in diesem Fall die Informationen nicht zeitgleich mit dem Treffen in London auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat. Seitens der EZB hieß es, die späte Veröffentlichung sei auf einen internen Fehler zurückzuführen. Unserer Ansicht nach gilt es, derartige Fehler in Zukunft in jedem Falle und mit aller Entschlossenheit zu vermeiden. Nichts wäre schädlicher für die Reputation einer Zentralbank und Finanzaufsicht, als wenn der Eindruck entstehen sollte, diese Organisation selbst ermögliche Insiderhandel.

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