Musterdepots
Gefahrenstelle Garantiezins

Das EZB-Anleihekaufprogramm scheint zu wirken - die Prognosen für Euroland verbessern sich. Doch für Lebensversicherer wird die Lage immer schwerer. Auch mit Folgen für das gesamte Finanzsystem, weiß Daniel Hupfer.
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Auf der EZB-Pressekonferenz vergangene Woche verkündete Präsident Mario Draghi erwartungsgemäß, den Leitzins auch weiterhin auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen. Das im März gestartete Anleihenkaufprogramm mit einem monatlichen Gesamtvolumen von 60 Milliarden Euro zeigt derweil möglicherweise schon erste Erfolge. So überraschte laut Eurostat die Industrie in der Euro-Zone zuletzt mit einem kräftigen Anstieg der Auftragseingänge von 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Weiterhin hob der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in der Euro-Zone in diesem Jahr von 1,2 auf 1,5 Prozent und für 2016 von 1,4 auf 1,6 Prozent an. Trotz zurzeit besserer Konjunkturaussichten will die EZB ihr Anleihenkaufprogramm weiter wie geplant solange durchziehen, bis das Ziel einer Inflationsrate nahe zwei Prozent erreicht ist.

Draghi trat damit Spekulationen entgegen, wonach die EZB ihr Programm frühzeitig drosseln könnte. Der IWF warnte in seiner Frühjahrsprognose aber gleichzeitig vor den negativen Auswirkungen der expansiven Geldpolitik der EZB auf europäische und vor allem deutsche Lebensversicherungen.

Große Kapitalsammelstellen wie zum Beispiel Lebensversicherungen legen das Geld ihrer Versicherten, zum Teil aufgrund regulatorischer Vorschriften, vor allem in Staatsanleihen mit hoher Bonität an. Durch die expansive Geldpolitik der EZB ist die Rendite hier aber sehr gering.

Zehn-jährige Bundesanleihen weisen beispielsweise aktuell nur noch Renditen von etwa 0,1 Prozent auf und die Renditen mit neunjähriger Laufzeit fielen diese Woche erstmals in den negativen Bereich. Die langfristig versprochenen hohen Garantiezinsen der Lebensversicherer sind daher zu einer schweren Last geworden. Laut IWF zeigen Stresstests, dass ein Viertel der Versicherer in einer längeren Phase mit niedrigen Zinsen nicht in der Lage wäre, ihre Kapitalanforderungen zu erfüllen.

Der Versicherungssektor habe allein in der EU ein Anlageportfolio von rund 4,4 Billionen Euro und die Vernetzung in der Finanzbranche nehme zu, wodurch bei einer Krise die Gefahr einer Ansteckung anderer Finanzmarktakteure wahrscheinlich sei.

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