Musterdepots
Händler überschätzen Effekte der Euro-Abwertung

An den Börsen freuen sich Händler über den schwachen Euro. Sie erklären, dass exportlastige Unternehmen zwangsläufig davon profitieren – doch das stimmt nicht. Musterdepot-Autor Georgios Kokologiannis klärt auf.
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Kürzlich habe ich an dieser Stelle vor der erstaunlich naiven Argumentation vieler Optimisten gewarnt, wonach die aktuelle Euro-Schwäche zwangsläufig zu höheren Erträgen der exportlastigen deutschen Wirtschaft führe. Ich halte das für einen Trugschluss, da sich heutzutage professionell agierende Konzerne selbstverständlich gegen größere Wechselkursschwankungen absichern.

Ein jetzt veröffentlichter Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg schlägt in die gleiche Kerbe und bestätigt mich damit in meiner Skepsis. Demnach würden etwa die Auswirkungen der massiven Euro-Abwertung auf die Gewinne der deutschen Autohersteller später und langsamer auftreten als der Markt derzeit hofft.

So habe beispielsweise das Dax-Schwergewicht Daimler 80 Prozent seiner Währungsrisiken für dieses Jahr abgesichert. Bleiben aber die Währungsgewinne aus, dann sei das Risiko für Enttäuschungen bei den Anlegern groß.

Hintergrund: Die im Fachjargon auch als „Hedging“ bezeichnete Absicherungen der deutschen Autobauer gegen Wechselkurseffekte führe dazu, dass sie nur dann währungsbedingte Umsatzsteigerungen mitnehmen könnten, wenn der Euro noch weiter fällt – das geben zum Beispiel Fachleute der französischen Großbank BNP Paribas zu bedenken. Bleibe der Euro auf dem derzeitigen Niveau, dann wären die Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung nicht sehr bedeutend.

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