Musterdepots
„Mach mir den Draghi“

„Mach mir den Draghi“ riefen Börsianer Anfang Juni, als der EZB-Chef sein umstrittenes Maßnahmenpaket präsentiert hatte und für Euphorie am Aktienmarkt sorgte. Mittlerweile scheint klar; die Maßnahme wurde überschätzt.
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Mit einem kleinen Kursfeuerwerk bedankten sich Aktienhändler Anfang Juni, als der Chef der Europäischen Zentralbank nach der Ratssitzung sein umstrittenes Maßnahmenpaket präsentiert hatte. „Mach mir den Draghi“ riefen sie. Doch mittlerweile scheint klar, dass die Verzweiflungstaten der EZB überschätzt worden sein dürften.

So nutzen die Banken trotz der eingeführten Strafzinsen weiterhin massiv die Möglichkeit Geld bei der EZB zu parken, statt es in Form von Krediten zu verleihen. Unterm Strich sind die realen Fremdkapitalkosten für Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten außer in Deutschland und Portugal gestiegen.

Und auch an den Aktienmärkten ist das kurzzeitig bejubelte Maßnahmenbündel längst verpufft, das den Dax erstmals über die 10000er-Marke gehievt hatte. Mittlerweile stehen Dax und Euro Stoxx 50 wieder ziemlich genau dort, wo sie bereits am 5. Juni notierten. Gleiches gilt für den Wechselkurs des Euro zum US-Dollar, den die Intervention eigentlich drücken sollte, um Inflation und Wirtschaft anzukurbeln.

Kein Wunder, dass Schuldenstaaten und Börsenzocker vor der am Donnerstag anstehenden EZB-Ratssitzung auf die nächste geldpolitische Eskalationsstufe drängen: Anleihekäufe nach dem Vorbild der US-Zentralbank Fed. So fordert jetzt etwa der französische Ministerpräsident Manuel Valls eine Zentralbank, die noch weiter gehe als bisher –„auch durch den  Kauf von Vermögenswerten“. Im Klartext: Staatsfinanzierung durch die Notenpresse.

Jüngsten Umfragen zufolge erwarten Experten zwar nicht, dass EZB-Chef Draghi schon morgen aktiv wird. Es gilt als sicher, dass man vorerst noch eine Weile die Wirkung des jüngst beschlossenen Maßnahmenpakets abwarten werde. Sollte die Teuerung nicht anziehen und die Konjunktur weiter schwächeln, seien Anleihekäufe allerdings in der zweiten Jahreshälfte nicht ausgeschlossen.

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