Musterdepots
Mit Bedacht durch den Markt bewegen

Indexfonds gelten als sichere Anlage, weil sie breit streuen. Unser Handelsblatt-Autor erklärt, warum er im Moment dennoch davon absieht. Außerdem im Blick: Die Baloise-Aktie und Multi-Asset-Strategien.

FrankfurtDirektinvestitionen an den Aktienbörsen in Indexfonds oder einzelne Titel sind für das Musterdepot erst dann vorgesehen, wenn die extremen fundamentalen Bewertungen wieder in Richtung ihrer langjährigen Mittelwerte korrigieren. Beim Dax etwa beginnt diese Zone meinen Berechnungen zufolge unterhalb von rund 8 900 bis 9 200 Punkten.

Der US-Leitindex S&P 500 müsste dazu auf mindestens 1770 bis knapp 1800 Zähler zurückfallen. Auf den aktuell bei 2130 Punkten deutlich darüber liegenden Kursniveaus setze ich dagegen weiter vor allem auf defensive Anlagezertifikate, um Verlustrisiken möglichst gering zu halten – und einen hohen Bargeldbestand. Fast die Hälfte des Anlagekapitals ist in speziellen Derivaten investiert, die von einer fortgesetzten Seitwärtsphase oder sinkenden Kursen an den Börsen profitieren. Rund ein Drittel beträgt die Cash-Quote.

Hintergrund: Vor allem an der weltweit richtungsweisenden Wall Street bewegen sich die wichtigsten Bewertungskennziffern nach fast acht Jahren liquiditätsgetriebener Hausse im Bereich historischer Dimensionen. So liegt das Kursgewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 auf Basis der 2016er-Gewinnschätzungen bei 17,3 und damit weit über dem mittel- bis langfristigen Durchschnitt von etwas über 14.

Noch alarmierender ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) zu sehen, das für mich ein untrüglicherer Risikoindikator ist: Denn während die Konzerne ihre Ertragsergebnisse durch Sondereffekte und Aktienrückkäufe massiv beeinflussen können, ist das bei den Umsätzen nicht ohne weiteres möglich. Mittlerweile hat das KUV im S&P 500 einen Wert von mehr als 1,7 erreicht und lieg damit fast auf dem Niveau seines Allzeithochs um die Jahrtausendwende herum – kurz vor dem Börsenabsturz nach der Dotcom-Blase.

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