Musterdepots
Molltöne überwiegen

Den Kursrutsch der verangenen Woche begündeten Börsianer vor allem mit dem mauen Wachstum im Euro-Raum und schwachen US-Nebenwerten. Daniel Hupfer macht sich allerdings um eine andere Region Sorgen.
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Am Donnerstag ist es sowohl an den europäischen Aktien- als auch an den Rentenmärkten zu spürbaren Verwerfungen gekommen. Sowohl die südeuropäischen Aktien- wie auch Rentenmärkte wiesen eine substantiell schlechtere Wertentwicklung auf als die deutschen Aktien- und Rentenmärkte. Damit wurden wieder Erinnerungen an die Euro-Krise wach – auch vor etwa zwei Jahren war es zeitweise zu einer massiven Entkopplung der Kapitalmärkte in der Eurozone gekommen.

Auslöser für die aktuelle Entwicklung waren vermutlich die schlechter als erwartet ausgefallenen BIP-Wachstumszahlen in Südeuropa, während Deutschland zuvor mit guten BIP-Wachstumszahlen für das erste Quartal eher positiv überrascht hatte. Viele Investoren stehen offensichtlich dem konjunkturellen Aufschwung in der europäischen Peripherie immer noch skeptisch gegenüber und sahen sich durch die eher schwachen BIP-Zahlen für Italien, Frankreich und Portugal in ihrer negativen Einschätzung bestätigt.

Es stellt sich aber aus unserer Sicht die Frage, ob es tatsächlich einen belastbaren Grund gibt, die Entwicklung in der Euro-Zone mit den nun vorliegenden Zahlen substanziell anders als zuvor einzuschätzen. Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung, dass sich die Eurozone insgesamt nach wie vor in einem konjunkturellen Aufschwung befindet, der allerdings vor dem Hintergrund einer gebremsten Kreditvergabe keine starke Dynamik entfaltet.

Die EZB wird die jüngsten Zahlen mit hoher Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen haben und ihre Schlüsse daraus ziehen. Diese könnten darin bestehen, lange Zeit auf sehr niedrige und unter Umständen noch fallende Leitzinsen zu setzen und zudem unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Für die Märkte wäre eine solche Entwicklung eher ein positives Signal, weshalb wir auch nach wie vor keine substantielle Änderung an unserer taktischen Ausrichtung vornehmen.

Mehr „Sorgen“ als Europa machen uns derzeit die Schwellenländer. Hier warten wir schon seit längerer Zeit auf eine konjunkturelle Bodenbildung, können diese aber nach wie vor nicht erkennen. Da zudem der Welthandel nicht mehr so stark wächst wie vor der Rezession 2008/2009 und in den Bric-Ländern in vielen Fällen die Molltöne noch überwiegen, sind wir auf der Aktienseite eher noch vorsichtig, während Staatsanleihen der Bric-Länder zumindest bei relativer Betrachtung zu anderen Rentenmärkten wieder vergleichsweise attraktiv erscheinen.

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