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„Risikoaufschläge könnten steigen“

Vertrauen die Europäer noch den Institutionen der EU? Es besteht Grund zur Sorge, dass die Unsicherheit an den Märkten wächst. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen südeuropäischer Länder könnten wieder anziehen.

In Europa werden Stimmen lauter, die mehr nationale Souveränität, weniger Einfluss von EU-Institutionen und weniger zentral vorgegebene verbindliche Regelwerke für Mitgliedsländer der EU und der Eurozone fordern. Prominente Vertreter dieser Forderungen finden sich in den Ländern der Peripherie, aber auch zunehmend in Finnland und vor allem in Großbritannien. Diese Forderungen nach größeren Gestaltungsspielräumen gehen aber gleichzeitig einher mit dem Wunsch nach einer zunehmenden gemeinschaftlichen Haftung.

Demokratietheoretisch ist das äußerst problematisch (um nicht zu sagen unvereinbar) und wird – setzt sich dieser Trend im kommenden Jahr fort – zu verstärkten Spannungen in der EU und Eurozone führen. Dabei scheint die EU schon jetzt überfordert, die dringlichsten aktuellen Probleme zu lösen, und deutsche Alleingänge in der Energie- und Flüchtlingspolitik machen die Lage nicht besser. Es wäre verwunderlich, wenn diese Gemengelage an den Kapitalmärkten spurlos vorbeigehen sollte. Damit spricht viel für weiter hohe Volatilitäten, wobei wir davon ausgehen, dass sich der Aktienmarkt von diesen Anspannungen nicht nachhaltig beeindrucken lässt. Kritischer ist da schon der Rentenmarkt: Wir erwarten, dass die Renditeaufschläge vieler europäischer Staatsanleihen im kommenden Jahr gegenüber den Bundesanleihen ansteigen, wenn die derzeit spürbaren politischen Spannungen weiter zunehmen.

Aus rein fundamentaler Sichtweise wäre ein solcher Renditeanstieg allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Nach unseren Berechnungen liegt das BIP-Wachstum in den meisten Ländern der EU und der Eurozone in der Nähe des langfristigen Trendwachstums, und die Arbeitslosenquoten gehen eher zurück. Dementsprechend entwickeln sich die Staatsfinanzen in den meisten Ländern Europas im Vergleich zu früheren Jahren vergleichsweise solide. Zudem kauft die EZB jeden Monat Staatsanleihen in erheblichem Umfang, so dass Renditeanstiege allein schon dadurch nach oben begrenzt sind. Verwerfungen können somit an den Rentenmärkten nur entstehen, wenn es tatsächlich zu einem zunehmenden langfristigen Vertrauensverlust in europäische Institutionen und das gemeinsame Regelwerk kommt. Die aktuellen Entwicklungen lassen allerdings befürchten, dass die Angst davor nicht komplett unbegründet ist, und die jüngsten sehr scharfen Äußerungen von Matteo Renzi und Pablo Iglesias bestätigen leider diese Einschätzung.

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