Musterdepots: Tsipras macht Rechnung ohne den Wirt

Musterdepots
Tsipras macht Rechnung ohne den Wirt

Die Griechenlandwahlen bieten so manches Verwerfungspotenzial für die Märkte. Daniel Hupfer fragt sich, ob sein Depot darauf vorbereitet ist. Dabei fällt ihm auf, was der griechisches Oppositionsführer nicht bedacht hat.
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Erweisen sich die jüngsten Wahlprognosen als korrekt, dann könnten die Parlamentswahlen in Griechenland ein politisches Erdbeben in Europa auslösen: Die dem linken nationalistischen Spektrum zugeordnete Partei Syriza unter der Führung von Alexis Tsipras steuert den Umfragen zufolge auf einen Wahlsieg zu. Für uns wirft dies gleich mehrere Fragen auf: Wie wahrscheinlich ist ein Wahlsieg und vor allem eine absolute Mehrheit der Sitze für die Syriza?

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Maßnahmen tatsächlich durchgesetzt werden, wenn eine Mehrheit vorhanden ist? Welche Konsequenzen drohen gegebenenfalls für die Kapitalmärkte und die Eurozone? Im Ergebnis rechnen wir damit, dass die Griechenland-Wahlen weder am Aktien, noch am Rentenmarkt dauerhafte Spuren hinterlassen und sich die Aufregung möglicherweise schon bald wieder legt.

Denn selbst wenn – entgegen unseren Erwartungen – die Syriza die absolute Mehrheit erreicht oder eine handlungsfähige Koalition bilden kann, ist fraglich, ob die Maßnahmen auch so wie angekündigt durchgesetzt werden. Beachtliche Differenzen zwischen Wahlprogrammen und tatsächlicher Politik entsprechen ja durchaus den politischen Gepflogenheiten, nicht nur in Griechenland.

Syriza-Chef Tsipras etwa glaubt, dass die restlichen Euro-Länder seine Forderung nach einem Schuldenschnitt akzeptieren werden, weil für sie ein Euro-Austritt Griechenlands unkalkulierbare Risiken bergen würde. Aus unserer Sicht liegt es jedoch weiterhin im zentralen Interesse der solideren Euroländer, dass die Spar- und Reformpolitik fortgeführt wird, schließlich haben sie für die Schulden der anderen Länder bereits erhebliche Haftungsrisiken übernommen.

Es ist daher fraglich, ob die Zentrifugalkräfte für die Währungsunion größer sind, wenn Tsipras Forderungen nachgegeben wird oder wenn man ein Ausscheiden Griechenlands mit allen negativen Folgen für das Land akzeptiert. Tsipras könnte seine Rechnung also ohne den Wirt gemacht haben.

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