Musterdepots

Weniger Sprintzertifikate

So beeindruckend die Erholung an Europas Börsen nach dem Brexit-Crash auch scheint: Sie wird nur von mauen Umsätzen getragen. Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis richtet sein Depot deshalb defensiver aus.
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Georgios Kokologiannis Quelle: Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

(Foto: Pablo Castagnola)

Weltweit haben die Aktienbörsen ihre Verluste seit dem Brexit-Crash im Schnitt überkompensiert: Die jüngste Aufwärtsbewegung hat die Marktkapitalisierung um 3,6 Billionen Euro steigen lassen. Am Tag nach dem EU-Ausstiegsvotum der Briten war der Wert des Marktes global um knapp 2,3 Billionen Euro eingebrochen.

Doch allein die im Euro Stoxx 50 enthaltenen europäischen Bluechips haben nach dem Tief vom 27. Juni inzwischen 165 Milliarden Euro an Wert gewonnen. Ich halte die Erholung für überzogen und reduziere daher erneut den Bestand an Sprintzertifikaten (WKN: CW7CXY), den offensivsten Bestandteilen im Musterdepot gehören.

So beeindruckend die Erholung an Europas Börsen erscheint: Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass sie weiterhin nur von mauen Umsätzen getragen wird. Angetrieben wohl vor allem durch Spekulanten, die ursprünglich auf fallende Notierungen gesetzt hatten und nun durch kurzfristige Eindeckungen ihre Verluste begrenzen.

Auch der Rückenwind aus den USA dürfte nicht von Dauer sein. Dort  haben die Aktienmärkte neue Allzeithochs markiert – vor allem weil die Berichtssaison für das zweite Quartal ordentlich zu verlaufen scheint. So haben nach einer Untersuchung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von den 13 Unternehmen des S&P 500, die in der abgelaufenen ersten Berichtswoche mit ihren Zahlen am Start waren, insgesamt elf positiv überrascht.

Doch auch hier lohnt sich ein tiefergehender Bick ins Zahlenwerk: Denn viele gemeldete Ertragszahlen liegen zwar über den Prognosen – doch erstens waren die Erwartungen zuvor teils mehrfach deutlich nach unten angepasst worden. Und zweitens waren die Ergebnisse der vorangegangenen fünf Quartale dermaßen schlecht ausgefallen, dass es wohl einer Rezession bedürfte, um ausgehend von diesem Niveau kein Gewinnwachstum mehr zu erreichen.

Alexander Kovalenko
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