Musterdepots
Zeiten von „Kaufen und Liegenlassen“ sind vorbei

Die Europäische Zentralbank hat mit ihrem negativen Einlagezins eine neue Zeit eingeleitet. Auf die müssen sich auch die Musterdepots einstellen. Von den Akteuren verlangt das neue Umfeld eine höhere Flexibilität.
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Das Zinsniveau in Deutschland hat sich seit Jahresanfang nochmals deutlich verringert. Rentierten zehnjährige deutsche Staatsanleihen zu Beginn des Jahres noch bei knapp zwei Prozent, liegt die aktuelle Rendite mittlerweile bei unter 1,3 Prozent. Nach Steuern und Kosten können Anleger also hiermit noch nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, die in Deutschland zuletzt bei 0,9 Prozent gelegen hat. Ein Blick auf deutsche Pfandbriefe und Unternehmensanleihen mit guter Bonität verbessert die Situation kaum, auch bei diesen Papieren sind die Renditen nahezu unattraktiv geworden.

Wir investieren in unserer Portfoliostrategie aber dennoch in Anleihen, da es in einigen Bereichen gute Opportunitäten gibt. Im Falle des iShares Barclays Spain Treasury ETF und der Portugal-Anleihe konnten wir von der Erholung der europäischen Peripherie profitieren. Darüber hinaus kaufen wie sehr selektiv Anleihen von Unternehmen mit weniger guter Bonität bzw. von Unternehmen, die nicht geratet sind, wie zum Beispiel Hochtief. Diese Anleihen stehen allerdings täglich auf dem Prüfstand, die Zeiten von „Kaufen und Liegenlassen“ sind unseres Erachtens auch im Anleihebereich vorbei.

Die Europäische Zentralbank hat Anfang Juni beschlossen, den Leitzins auf 0,15 Prozent zu reduzieren. Mutig ist die EZB, weil mit dem negativen Einlagezins, der Vorbereitung für den Ankauf von Asset Backed Securities (darunter versteht man verbriefte und besicherte Kredite) und neuen gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäften, die bis 2018 laufen, geldpolitisches Neuland betreten wird. Diese Maßnahmen sind nicht frei von Risiken, weil im Vorhinein nicht klar ist, ob sie den gewünschten Erfolg bringen werden. Aber nicht zu handeln, wäre unseres Erachtens die schlechtere Alternative gewesen. Die neuen Inflationsprognosen der EZB deuten darauf hin, dass die Zinsen sogar noch länger niedrig bleiben werden als bislang erwartet wurde und eine erste Zinserhöhung frühestens 2017 kommen wird. Von daher müssen sich Anleger darauf einstellen, dass die Zinsen sehr niedrig bleiben werden – oder sogar noch weiter sinken.

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