Musterdepots: Zwickmühle Zinswende

Musterdepots
Zwickmühle Zinswende

Dass Mario Draghi früher oder später die Zügel weiter lockern wird, gilt als ausgemachte Sache. Anders die Lage in den USA. Dort befindet sich die Fed in einem Dilemma, das an die Zeiten vor der Zinswende erinnert.

Maßgeblich beeinflussen werden die Entwicklung an den Anlagemärkten bis Mitte dieses Monats Notenbankentscheidungen in Europa und den USA. Doch während aus den Reihen der Europäischen Zentralbank zunehmend eine weitere geldpolitische Lockerung auf der nächsten Ratssitzung am 10. März signalisiert wird, ist die Lage in Übersee weniger klar.

Auch nach den jüngsten Konjunkturdaten aus der größten Volkswirtschaft der Welt steckt die US-Notenbank Fed weiter in der Zwickmühle. Die am Freitag veröffentlichten extrem positiven Jobzahlen bestätigen erneut, dass die Fed ihr Ziel Vollbeschäftigung de facto erreicht hat. Das spricht also dafür, dass die Währungshüter den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik eigentlich beschleunigen und die Leitzinsen weiter anheben müssten.

Hintergrund: Der US-Arbeitsmarkt boomt inzwischen noch stärker als von Experten prognostiziert worden ist. Die Zahl der neuen Stellen stieg im Februar um 242.000. Ökonomen hatten lediglich mit 190.000 gerechnet. Zugleich wurde der Vormonatswert um 21.000 auf 172.000 Stellen nach oben revidiert. Die Arbeitslosigkeit liegt bei nur 4,9 Prozent.

Doch der wirtschaftliche Aufschwung hat auch seine Kehrseiten: Die Aussicht auf eine zukünftig weniger expansive Geldpolitik hat dem Dollar bereits deutlich erstarken lassen. Langfristig droht das den Konjunkturboom wieder vorzeitig abzuwürgen, weil sich der Verkauf von US-Produkten im Ausland verteuert. Schon jetzt leiden die Ausführen unübersehbar: So haben die US-Exporteure im Januar so wenig verkauft wie zuletzt im November 2010. Die Exporte rutschten um mehr als drei Prozent ab auf rund 117 Milliarden Dollar.

Sollten die Fed auf ihrem nächsten Ratstreffen Mitte März die Leizinsen erhöhen und den Dollar damit weiter stärken, würde das den Abwärtstrend bei den Verkäufen der US-Unternehmen noch verschärfen. Ich gehen daher davon aus, dass sich bis dahin am Markt die Meinung durchsetzen wird, dass eine „richtige“ Leitzinswende in diesem Jahr nicht mehr vollzogen wird. Auf absehbare Zeit dürfte es bei der eher symbolischen Leitzinsanhebung vom vergangenen Dezember bleiben.

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