Inflation und Niedrigzins: Die Deutschen sparen sich ärmer

Mythos oder Wahrheit?
Die Deutschen sparen sich ärmer

Die Inflation in der Euro-Zone zieht kräftig an, doch die Zinsen bleiben niedrig. Für Sparer ist das ein Problem: Ihr Vermögen ist langfristig weniger wert. Zudem haben sie einen wichtigen Verbündeten verloren.
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DüsseldorfDie Zinsen sind zwar mehr oder weniger abgeschafft, doch die Deutschen bunkern ihre Billionen weiterhin lieber auf Sparkonten. Das halten sie für sicher, im Gegensatz zur Börse. Dort können die Kurse schließlich massiv schwanken. Eine besonders kluge Anlageentscheidung ist das nicht, auch wenn der Reichtum der Bundesbürger auf dem Papier steigt.

Dabei heißt es doch oftmals: „Die Deutschen sparen sich ärmer.“ Ein Mythos oder Wahrheit? Geht das überhaupt? Leider ja. Nämlich eben dann, wenn die Inflation ins Spiel kommt.

Ulrich Kater bringt das Problem auf den Punkt: „Wenn die Deutschen sparen, dann meinen sie, mit dem Einzahlen aufs Sparkonto sei der Job getan“, sagt der Chefvolkswirt der Dekabank. „Das war schon falsch zu Zeiten, als es noch Zinsen gab.“ Denn der Sparer gibt sich gern mit Zinsen zufrieden, ohne danach zu fragen, ob sie denn höher sind als die Inflation. Denn erst dann bleibt das Kapital erhalten. „Schwindende Kaufkraft der Ersparnis – die Fachleute sagen: ein negativer Realzins – gab es bereits oft in den letzten Jahrzehnten“, so Kater.

In den vergangenen Jahren hieß es häufig, die niedrigen Zinsen seien kein allzu großes Problem, weil die Inflation ebenfalls homöopathisch dosiert war. Doch das hat sich mittlerweile geändert. Die Inflation steigt, in Deutschland so stark wie seit Juli 2013 nicht mehr. Im Januar legten die Verbraucherpreise um 1,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten am Montag mitteilte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent. Insbesondere der anziehende Ölpreis sorgte dafür, dass sich die Lebenshaltungskosten hierzulande erhöhten. Auch Nahrungsmittel erwiesen sich als Kostentreiber.

„Die Zeit der niedrigen Inflationsraten ist in Deutschland passé“, ist Ulrike Kastens, stellvertretende Leiterin Volkswirtschaft von Sal. Oppenheim, überzeugt. „Der höhere Ölpreis wird die deutsche Inflationsrate auch in den kommenden Monaten weiter über die Zwei-Prozent-Marke katapultieren.“ Doch dies seien nur temporäre Effekte, denn trotz guter Konjunktur und Lohnsteigerungen sei der Preiswettbewerb in Deutschland sehr hoch, was den Preisauftrieb generell begrenzen würde. Für das Gesamtjahr rechnet die Expertin zwar mit einer Inflationsrate von 1,8 Prozent, eine weitere Beschleunigung darüber hinaus prognostiziert sie aber nicht.

Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent in den Staaten der Währungsgemeinschaft an. Dass der Wert nun in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone annähernd erreicht wurde, ist Wasser auf die Mühlen der Gegner einer lockeren Geldpolitik. Bundesbankchef Jens Weidmann hat mit Blick auf die anziehende Teuerungsrate bereits laut über eine Abkehr von der laxen geldpolitischen Linie der EZB nachgedacht. Die EZB will damit die Konjunktur beflügeln und die unerwünscht niedrige Inflationsrate nach oben treiben.

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum sind zum Jahresstart auf Grund gestiegener Energiekosten so stark nach oben geschnellt wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Im Januar kosteten Waren und Dienstleistungen im Schnitt 1,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Hauptgrund des Anstiegs waren die Energiepreise, die um kräftige 8,1 Prozent zulegten. Das Opec-Kartell und andere Förderländer hatten sich auf eine Produktionskürzung geeinigt, wodurch der Rohölpreis anzog. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 3,3 Prozent, Dienstleistungen um 1,2 Prozent.

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  • Nicht besonders gut erscheint mir der Rat, Investmentfonds zu kaufen. Da muss man sehr genau hinschauen. Ich habe auch einige Fonds und sehe, wer da verdient - nämlich die Fondsgesellschaft.
    Wenn schon- dann ETFs. - Oder warum nicht direkt Aktien kaufen - da zahlt man nur die Provision, wenn man bei einer Direktbank ist.

  • Und imit Festgeld legt der Kunde gegenwärtig rund 2% drauf.

    Aus 1 Mio. Sind es in 10 Jahren noch 820.000.

    Ich wette, dass es noch schneller geht.

    Gut für die Verschuldung Europas.

  • Die Frage ist trivial.

    Die kommende Generation -die sog. Babyboomer- Altersversorgungsparer erhält rund 40 bis 50% weniger an Auszahlungen als einst für sie prognostiziert wurde und das sie heute schon weniger von ihren Versicherungen erhalten werden. Ob das jedem Sparer bewusst ist, so habe ich meine Zweifel.

    Tendenz, es geht auch noch weniger.Das Gesetz in 2016 erlaubt es nun den Versicherern die Teilhabe ihrer Kunden an den Bewertungsreserven Aussenminister vor zu lassen.

    Und seit 2005 wird im Steuerland alles nochmals versteuert, wo es sowieso fast nix mehr gibt.

    Es muss für die Menschen wie ein Hohn klingen, wenn man ihnen sagt, dass sie für das Alter vorsorgen sollen.

    Zumindest in dieser Richtung.

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