Mythos oder Wahrheit Die Dividende als Weg aus der Zinsfalle?

Dax-Firmen verwöhnen Aktionäre mit Ausschüttungen von über 30 Milliarden Euro. Die Dividendenrendite liegt bei fast drei Prozent. Von diesen Renditen können Anleihebesitzer nur träumen. Sind Dividenden die neuen Zinsen?
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Die Zinsen sind abgeschafft, aber die Dividenden sprudeln. Quelle: dpa
Münzen und Scheine

Die Zinsen sind abgeschafft, aber die Dividenden sprudeln.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFlossen früher in regelmäßigen Abständen ein paar hübsche Sümmchen auf die Konten von Sparern, sind es heute eher Cent-Beträge. In Zeiten von Niedrigst- und sogar Nullzinsen ist es vorbei mit den regelmäßigen und vor allem nennenswerten Erträgen, die das Ersparte abwarf. Ausschüttungsstarke Aktien können ein Ausweg sein. Sie werden nicht umsonst immer wieder als Alternative genannt. „Dividenden sind die neuen Zinsen“, heißt es dann oft. Aber stimmt das überhaupt, oder gehört diese Aussage ins Reich der Mythen?

Wahrheit oder Mythos? Ganz klar: Mythos! Oder wie es Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, formuliert: „Dieser Spruch ist ein netter Marketing-Gag, um Anleger für Dividendenfonds und Vergleichbares zu begeistern.“ Er ist nicht der einzige Banker, der das so sieht. Auch für Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe ist das ein „hübsches Marketing-Argument pro Aktie“.

Trotzdem kann er diesem Argument einiges abgewinnen. „Es hat einen wahren Kern, aber Anleger sollten sich der Einschränkungen bewusst sein“, sagt der Anlagestratege. Richtig sei, das risikofreie Anleihen mit Zinsen von gerundet null Prozent nicht attraktiv seien und offensichtlich nicht geeignet seien, das Vermögen nominal, geschweige denn real – also nach Abzug der Inflation – zu mehren.

So viel schütten die Dax-Unternehmen aus

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+102,30 +0,83%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 31

Die diesjährigen Hauptversammlungen der 30 Dax-Konzerne versprechen rekordhohe Ausschüttungen – insgesamt knapp 31 Milliarden Euro. Voraussichtlich 21 Konzerne erhöhen ihre Dividende.

Die Rendite im Dax liegt im Mittel seit dem Jahr 2004 bei gut drei Prozent. Sehen Sie die Einschätzung zur Dividende – sortiert nach der (geschätzten) Höhe der Dividendenrendite aller Firmen.

Mehr dazu lesen Sie auch in dieser ausführlichen Handelsblatt-Analyse.

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

-0,36 -1,13%
+31,07€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat1
2 von 31

Pro Sieben Sat1: Die höchste Dividendenrendite gibt es direkt vom Dax-Aufsteiger 2016. Mit erwarteten 1,91 Euro je Aktie schüttet das Medienunternehmen damit 80 bis 90 Prozent des bereinigten Konzernüberschusses aus. Das ist für Dax-Unternehmen jedoch die absolute Ausnahme.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 1,80 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 1,91 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

+0,09 +0,12%
+70,16€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
3 von 31

Daimler: Der Automobilkonzern aus Stuttgart ist auch deswegen interessant, weil die Experten hier in diesem Jahr mit der höchsten Ausschüttungssumme rechnen – nämlich bis zu 3,5 Milliarden Euro.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,25 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,6 Prozent

*geschätzt

ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008404005
Börse
L&S

+0,62 +0,32%
+191,76€
Chart von ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Allianz
4 von 31

Allianz: Der Versicherungskonzern aus München glänzt auch in diesem Jahr wieder mit einer stattlichen Dividendenrendite. In den letzten zwölf Monaten konnte der Kurs der Aktie um gut sechs Prozent zulegen.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 7,30 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 7,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,82 Prozent

*geschätzt

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
L&S

+0,46 +0,25%
+183,64€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück
5 von 31

Münchener Rück, ein Dividenaristokrat: Seit 1969 hat der Rückversicherer aus München seine Dividende nicht mehr gesenkt und pflegt damit die wohl längste Tradition im Dax. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass sich das im kommenden Jahr ändern wird.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 8,25 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 8,50 Euro
Dividendenrendite 2017*: 4,9 Prozent

*geschätzt

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

-0,36 -0,41%
+86,60€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 31

BMW: Der Autobauer aus München darf für das abgelaufene Jahr wieder von einem Rekordgewinn ausgehen. Der Grund: Die teure 7er-Reihe verkaufte sich hervorragend. Der Konzern würde damit zum siebten Mal in Folge seine Ausschüttung erhöhen – wenn auch nur leicht.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 3,20 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 3,23 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

+0,13 +1,02%
+13,25€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
7 von 31

Deutsche Telekom: Die Aktie des Telekommunikationsunternehmens aus Bonn hat sich seit Anfang Dezember wieder erholt. Die Aktionäre können sich entscheiden, ob sie die Dividende ausgezahlt oder als neues Aktienpaket bekommen wollen. Im vergangenen Jahr wollten 41 Prozent der Anleger neue Aktien.

Dividende 2016 (für das Jahr 2015): 0,55 Euro
Dividende 2017 (für das Jahr 2016)*: 0,60 Euro
Dividendenrendite 2017*: 3,7 Prozent

*geschätzt

Richtig sei auch, dass die Dividendenrendite der Dax-Werte mit 2,7 Prozent deutlich höher sei als die Zinsen deutscher Staats- aber auch vieler Unternehmensanleihen – während bis Ende 2008 deutsche Anleihen immer einen Renditevorsprung gegenüber Aktien geboten hätten. „Aktien bieten demnach eine höhere Ertragschance als Anleihen. So weit, so gut“, sagt Zimmermann. „Allerdings flüstert das Argument auch eine nicht vorhandene Sicherheit ein, die viele Anleger mit dem Begriff ‚Zinsen‘ verbinden.“

Und genau da liegt das Problem: Natürlich sind Aktien keine Anleihen, sie haben ein ganz anderes Risikoprofil. Die optisch attraktive Dividende kann bereits in ein oder zwei Handelstagen weg sein. „Wer am 30. Dezember 2015 den Dax gekauft hat, lag mit seinem Investment die ganze Zeit bis August 2016 hinten, zwischenzeitlich rund 16 Prozent“, rechnet Zimmermann vor. „Erst nach der US-Wahl im November hat sich Blatt gewendet.“ Das heißt: Aktien schwanken, es gibt zwar eine höhere Renditechance als mit Anleihen – aber eben auch ein höheres Risiko. „Wer dies nicht aushalten kann oder möchte, sollte sich Aktien nur sehr dosiert nähern“, sagt Anlageexperte. „Allerdings zahlt man einen Preis: die Rendite ist kümmerlich.“

Renditechance spricht für Aktien
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3 Kommentare zu "Mythos oder Wahrheit: Die Dividende als Weg aus der Zinsfalle?"

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  • Mir ist nicht ganz klar bzw. es wird nich klar dargestellt ob sich die genannte Rendite auf den Nominalwert oder den Handelswert der Aktien bezieht. Interessant wäre mal ein Vergleich verschiedener Aktien, wobei im Sinne eiens "Zinseinkommens" eigentlich nur die auf den Handelswert bezogene Rendite relevant ist.

    Interessant ist auch dass die Aussicht auf Rendite/Dividenden als Lohn für eine Unternehmensfinanzierung bzw. eigentlich Unternehmensbeteiligung ja das Prinzip der Aktie ist - die Aussicht auf Wertsteigerung ist eigentlich ein Nebeneffekt, der heute leider zum Haupteffekt geworden ist.

    Neben Aktien gab es früher auch mal für die Beteiligung an Bergwerksgesellschaften (konkrete Gesellschaftsform bergrechtliche Gewerkschaft) - sogenannte Kuxe - im Prinzip wie Aktien und es gab nicht nur Dividenden wenn es gut lief, aber wenn es schlecht lief - also Verluste gemacht wurden oder aus anderen Gründen dringender Kapitalbedarf bestand, etwa um einen zusätzlichen Schacht abzuteufen, bestand Zubußepflicht - also Geld nachschießen.

  • Nur 3% in diesem Lande sind nicht nur die Renten schlecht sondern die Renditen sogar skandalös schlecht. Wovon soll der Investor Arbeitsplätze schaffen, von nebbich 3% mit lauwarmer Wurst zum abnehmen. Kein Wunder das halb Europa arbeitslos ist oder der Mob sich sein Geld am Amt abholen muss. Ein Herr trump muss her, die Steuern senken, die Zölle erhöhen, den Prolos Arbeit geben und die Kest für die Finken abschaffen. Ha Ha Ha

  • Sehr geehrte Frau Schwarzer,

    "Renditechance spricht für Aktien" titeln Sie. Niemand bestreitet, dass dies auf sehr lange Sicht tatsächlich gilt. Aber zu dieser "sehr langen Sicht" meinte der englische Nationalökonom John Meynard Keynes "In the long run, we are all dead".

    Wenn wir über Rendite- oder Verlustchancen reden, ist vielleicht der wichtigste Gesichtspunkt, dass die Börse keine Gleichgewichtslage kennt, sondern ständig über- oder untertreibt. Unvorstellbar gewaltig über- oder untertreibt. Deshalb hängt die Gewinn- oder Verlustchance sehr stark davon ab, in welcher Börsenphase man einsteigt.

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