Nach Bilanzfälschungen und rosigen Versprechungen müssen viele Konzerne Schadensersatz zahlen
Anleger hängen sich an US-Sammelklagen

Für den Itzehoer Investment-Club war es ein herber Verlust: Mehr als eine Million Euro büßte der größte Anlegerclub Deutschlands ein, als bekannt wurde, dass die schönen Bilanzen der niederländischen Lebensmittelkette Ahold gefälscht waren. Der Kurs der Aktie war daraufhin um 70 % abgestürzt. Mit Hilfe einer US-Sammelklage will der Club jetzt zumindest einen Teil des Geldes wiedersehen.

DÜSSELDORF. Das US-Recht macht es möglich: So wie die Itzehoer hängen sich derzeit Tausende deutscher Anleger an Klageverfahren in den Staaten an. Im Visier stehen Konzerne, deren Manager im allgemeinen Spekulationsfieber weit mehr versprochen hatten, als sie halten konnten, oder gleich mit falschen Karten gespielt haben. „Mitzumachen lohnt sich“, versichert Rechtsanwalt Marc Tüngler von der Anleger-Schutzgemeinschaft DSW, „da gibt es richtig Geld.“ Meist genüge es, ein Formular auf der Webseite der entsprechenden Konzerne auszufüllen.

Der niederländische Softwarekonzern Baan etwa zahlt 32,5 Mill. Dollar, weil er von 1997 bis 1998 die Umsätze durch Geschäfte mit Tochterfirmen aufgebläht hat. Geschädigte Anleger können ihre Ansprüche noch bis zum 3. Dezember geltend machen. Bis zum 31. März 2004 haben Lucent-Aktionäre Zeit. Der Konzern erstattet insgesamt 563 Mill. $, weil er Ende 1999 weit bessere Ergebnisse versprach, als er im Januar 2000 vorlegte. Die Aktie rasselte um 38 % nach unten. Auch Aktionäre des Kreuzfahrtveranstalters Carnival und des Chipherstellers Advanced Micro Devices können derzeit Ansprüche einreichen.

Zwischen 10 und 50 % des entstandenen Schadens werde den Klägern ersetzt, sagt der auf US-Sammelklagen spezialisierte Rechtsanwalt Bernd Jochem von der Münchener Kanzlei Rotter, die über 1 000 deutsche Sammel-Kläger betreut. Die ersten Fälle nach der geplatzten Blase sind bereits abgewickelt. Ein Klient der Kanzlei, der mit dem Scheitern der Firma Max Internet 57 000 Euro verlor, hat immerhin 6 300 Euro zurückbekommen. Beim pleite gegangenen Medienunternehmen Team Communications, wo die Einreichfrist schon abgelaufen ist, dürfte ein deutlich höherer Prozentsatz des Schadens ersetzt werden, schätzt Jochem. Doch bis große Schadensfälle wie der Zusammenbruch des US-Telekom-Konzerns Worldcom oder die größte US-Pleite Enron entschieden sind, dürften noch Jahre vergehen.

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