Nach dem Crash an den Emerging Markets
Schwellenländer bieten neue Chancen

Nachdem Anleger asiatische, osteuropäische und lateinamerikanische Börsen Anfang vergangener Woche fluchtartig verlassen hatten, haben sich die Märkte wieder stabilisiert. Und anstelle von Krise sprechen Experten nun von günstigen Einstiegschancen.

Denn Analysten und Fondsmanager sehen für viele der so genannten Emerging Markets unverändert großes Potenzial. „Wir gehen davon aus, dass die Rückschläge nur von kurzer Dauer sein werden und dass sich das Investieren in Emerging Markets im Hinblick auf Wert- und Wachstumspotenzial auszahlt“, sagt Rupert Rucker von der Investmentgesellschaft Schroders.

Alleine am Montag vergangener Woche waren die Leitindizes in Moskau, Sao Paulo, Istanbul, Kairo und Bangkok um bis zu neun Prozent eingebrochen. An der Börse in Bombay musste der Handel zeitweilig ausgesetzt, die Moskauer Börse früher geschlossen werden. Dieser Kurssturz war der vorübergehende Tiefpunkt einer zehntägigen Abwärtsbewegung an den Schwellenländerbörsen, von denen einige bis zu 30 Prozent an Wert verloren – inzwischen haben sie sich zum Teil wieder erholt.

Grund für die sinkenden Kurse war nach Ansicht von Experten aber nicht die wirtschaftliche Situation in den Schwellenländern, sondern Sorgen über die US-Konjunktur. „Die Marktentwicklung hatte sich weitgehend von den positiven Fundamentaldaten der schnell wachsenden Schwellenländer abgekoppelt“, sagt Maria Lanzeni von der Deutschen Bank.

Doch im Vergleich zu den 90er Jahren, als asiatische und lateinamerikanische in existenzbedrohende Krisen rutschten, sind die meisten Schwellenländer heute deutlich besser aufgestellt. Viele haben ihre Haushaltsdefizite reduziert, verfügen über hohe Devisenreserven und haben ihr Schuldenproblem in den Griff bekommen.

Wegen dieser eher positiven Situation vieler Schwellenländer schätzen Analysten und Fondsmanager das Risiko einer Krise in den Emerging Markets als gering ein. Stattdessen sehen viele jetzt Einstiegschancen, weil sich das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Schwellenländerwerte von rund zwölf auf knapp über zehn verringert hat. „Diese Korrektur war notwendig und gesund. Ich glaube, dass wir mindestens zwei Drittel hinter uns haben“, sagt Thomas Gerhardt, Leiter des Teams Emerging Markets bei der Fondsgesellschaft DWS.

Die meisten vom Handelsblatt befragten Experten halten in den nächsten zwölf Monaten Kursgewinne von rund 20 Prozent für realistisch. „Nach den Korrekturen in dieser Woche sind die Einstiegsmöglichkeiten in vielen Ländern sehr günstig. In den vergangenen Monaten hatten die Märkte nach oben überreagiert, nun übertreiben sie in die andere Richtung“, sagt Michael Konstantinov, Leiter des Aktienteams Emerging-Markets bei der Fondsgesellschaft Dit.

Ganz losgelöst von den Fundamentaldaten in den betroffenen Ländern war die aktuelle Entwicklung allerdings nicht. Einige Experten weisen darauf hin, dass Investoren besonders Länder mit hohem Leistungsbilanzdefiziten abgestraft hätten. Beispiele dafür sind die Türkei, Ungarn und Indien. In der Kritik der Investoren steht auch Russland. „Es wird künftig wichtiger, sich die einzelnen Länder genau anzuschauen und nicht mehr blind auf Emerging Markets zu setzen, weil die Wachstumspotenziale und Risiken doch sehr unterschiedlich sind“, sagt Lanzeni von der Deutschen Bank.

Positiv bewerten die Experten Korea, Brasilien und Indien. Gerade in Indien sehen die Analysten aufgrund des erwarteten Gewinnwachstums von fast 20 Prozent und einem KGV von rund 15 noch Potenzial. „Wenn der Markt noch ein wenig weiter fällt, ist das eine richtig gute Einstiegschance“, sagt Thomas Gerhardt, Leiter des Teams Emerging Markets bei der Fondsgesellschaft DWS.

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