Nach dem Rekordjahr 2005
In Indien regiert die Skepsis

Indiens Börsen haben 2005 einen Rekord nach dem anderen gebrochen, und der Boom lockt immer mehr ausländische Anleger. Doch die Bewertungen liegen mittlerweile so hoch, dass viele Analysten skeptisch werden und für 2006 keine großen Gewinnsprünge mehr erwarten.

NEU DELHI. Der Sensex, Indiens bekanntestes Börsenbarometer, stieg in diesem Jahr auf Dollar-Basis um 36 Prozent. Das macht ihn zum drittbesten Aktienindex in Asien nach denen Südkoreas und Pakistans. Seit Beginn der jüngsten Rally im April 2003 hat sich der Indexstand mehr als verdreifacht. Zugleich ist die Börse in Bombay mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen 430 Mrd. Dollar zum viertgrößten Aktienmarkt Asiens nach Japan, Hongkong und Singapur aufgestiegen und hat etabliertere Märkte wie Taiwan, Singapur und auch China abgehängt.

Getrieben wird der Höhenflug von Auslandsinvestoren, die immer mehr Kapital ins Land schaufeln. Dieses Jahr kauften sie Aktien für mehr als zehn Mrd. Dollar – 2004 waren es 8,5 Mrd. Dollar. Immer mehr Anleger sehen Indien als nächste große Wachstumsstory. Das Wirtschaftswachstum hat sich 2005 auf rund 7,5 Prozent beschleunigt. Nach Meinung vieler Volkswirte wird es auch 2006 über sieben Prozent liegen. Dafür sorgen stark anziehende Investitionen, ein hohes Kreditwachstum, der ungebrochene Trend zum Outsourcing und eine vorteilhafte Demographie.

„Indien ist die beste langfristige Wachstumsstory in Asien, vielleicht sogar der Welt“, sagt Christopher Wood, Anlagestratege der Crédit-Agricole-Tochter CLSA. Irgendwann werde der Bullenmarkt mit extremen Überbewertungen zwar enden. Aber dieser Zeitpunkt sei lange nicht in Sicht. In seinem asiatischen Modellportfolio gewichtet Wood Indien mit 28 Prozent massiv über. Trotz eines durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von 17,6 für indische Aktien – Firmen im MSCI Emerging Markets-Index kommen im Schnitt nur auf ein KGV von 12,8 – erwartet Wood, dass mögliche Kurskorrekturen begrenzt bleiben.

Andere sind skeptischer. „Nach dem starken Abschneiden 2005 ist der indische Markt um 30 Prozent überbewertet“, schrieb Ratnesh Kumar, Analyst bei der Citigroup, kürzlich an Kunden. Er glaubt, der Sensex werde 2006 um neun Prozent zurückfallen. Merrill Lynch nannte Indien vor kurzem sogar den teuersten Schwellenländer-Markt der Welt und riet Kunden zum Ausstieg, da sich der Zustrom neuen Kapitals verlangsamen werde. Vorsichtig optimistisch ist die UBS, die davon ausgeht, dass indische Aktien 2006 nur Zugewinne von null bis zehn Prozent sehen werden.

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