Nach den Kurseinbrüchen
Aktienstrategen raten zu spekulativen Werten

Verkehrte Welt am Aktienmarkt: Seitdem es seit Mitte vergangener Woche weltweit mit den Kursen bergab geht, leiden unter den Marktschwergewichten hier in Deutschland nicht wie sonst üblich zuallererst der vermeintlich spekulativste Dax-Titel Infineon, sondern eher konservative Werte wie der Versorger Eon oder Maschinenbauer wie MAN.

FRANKFURT. „Es bewahrheitet sich wieder einmal die alte Börsenweisheit, dass was hoch steigt, auch tief fällt“, bringt es Manfred Bucher von der Bayerischen Landesbank (BayernLB) auf den Punkt.

Der starke Kurseinbruch – bei Eon und MAN sind es zwölf Prozent seit dem vergangenen Mittwoch – liegt an dem starken Sicherheitbedürfnis der Anleger. Die Nachfrage nach wertbeständigen Titeln hat deren Kurse in die Höhe getrieben. Zum Vergleich: Die Eon-Aktie hat sich in den letzten beiden Jahren fast verdoppelt, MAN gar verdreifacht. Demgegenüber tendierten spekulative Titel wie Infineon lange Zeit zur Seite, ehe die Aktie ab dem Winter mit zunehmender Spekulationsfreude bei den Anlegern auch etwas von den allgemeinen Kurssteigerungen abbekam.

Insgesamt führte dies zu der seit fast zwei Jahrzehnten einmaligen Situation, dass die Bewertungen von spekulativen Titeln in Relation zu konservativen Aktien bei historisch niedrigen 1,3 lag. Das gab es zuletzt 1989. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 2,3. Kein Wunder also, dass in Korrekturphasen die konservativen Titel besonders leiden.

Die Mehrzahl der Aktienstrategen rechnet jedoch nach einer aktuellen Durststrecke im weiteren Jahresverlauf wieder mit deutlich steigenden Kursen. „Vom aktuellen Niveau aus erwarten wir bei Aktien einen Kursanstieg von elf Prozent“, sagt Ian Scott, Chef der globalen Anlagestrategie bei Lehman Brothers in London. Die Frage, ob Anleger künftig wieder in die deutlich verbilligten konservativen Werten einsteigen oder auf die noch immer günstigen spekulativen Titel setzen sollen, beantworten die meisten Experten zu Gunsten der zweiten Variante.

Die Analysten von ABN Amro haben gerade erst den Technologie-Sektor auf „übergewichten“ nach oben gestuft und rechnen gerade den spekulativen Halbleitern besonderes Potenzial zu. „Dieser Sektor weist die größte Abhängigkeit zur starken Investitionstätigkeit der Unternehmen auf und bietet so das größte Potenzial auf steigende Gewinne in diesem Jahr“, sagt Rolf Elgeti, Chefstratege bei ABN Amro in London. Besonders der europäische Halbleiter-Sektor dürfte davon profitieren, glaubt er.

Anders stellt sich hingegen die Situation bei den Technologiewerten der zweiten Reihe dar. Deren Index TecDax geriet gestern mit zeitweise über vier Prozent Verlust erneut am stärksten von allen Indizes unter Druck. Dabei macht sich die starke Abhängigkeit von den regenerativen Titeln um Solar- und Windenergie bemerkbar, die zuletzt von der Diskussion um die Klimakatastrophe enorm profitierten.

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