Nach der endgültigen Stabübergabe von Jiang Zemin an Staatspräsident Hu Jintao hoffen Aktionäre auf weitere Reformen
Chinas Börsen verlassen das Jammertal

Der vollendete Wechsel zur vierten Führungsgeneration sowie neue Reformankündigungen haben Chinas Börsen in Schanghai und Shenzhen nach dem Fünf-Jahres-Tief vor einer Woche in höchstes Entzücken versetzt. Sechs Tage stiegen die Kurse der wichtigsten Indizes ununterbrochen, bevor es gestern leichte Gewinnmitnahmen gab.

PEKING/SCHANGHAI. Am Tag zuvor hatte der Schanghai-Composite-Index einen Freudensprung von 3,4 Prozent gemacht. In Shenzhen war es 3,8 Prozent aufwärts gegangen. Weil Staatspräsident Hu Jintao von Vorgänger Jiang Zemin auch den dritten Top-Posten im Staat übernahm und Hu als reformfreudig gilt, hoffen Chinas Börsianer auf weitere Maßnahmen, die dem Kapitalmarkt helfen.

Zu den guten Nachrichten gehört in diesen Tagen, dass als neuer Chef der Börsenaufsicht – China Securities Regulatory Commission (CSRC) – Huang Qifan vorgesehen ist, der zweite Bürgermeister der zentralchinesischen Großstadt Chongqing. Huang beaufsichtigte in den 90er Jahren als Top-Kader in Schanghai die Reorganisation großer Staatsfirmen und führte bei wichtigen Börsengängen das Ruder. Von ihm erwarten viele Börsenexperten neue Impulse, die von seinem unglücklichen Vorgänger Shang Fulin nicht kamen. Die Personalie wurde aber noch nicht offiziell bestätigt. Außerdem sollen Banken ihr eigenes Fondsmanagement gründen dürfen. Und seit August herrscht ein Stopp für Börsengänge, der den zuvor seit April um 30 Prozent eingebrochenen Aktienmärkten Luft verschaffen soll.

Vor allem große Staatsfirmen profitieren von den neuen Erwartungen, denn das Bremsmanöver der Regierung, das die heiß gelaufene Konjunktur in ruhigere Bahnen lenken soll, beinhaltet Kreditrestriktionen, die viele kleine und mittlere Firmen in der boomenden Privatwirtschaft treffen. Große Staatsfirmen bleiben dagegen aus politischen Gründen weiter am Tropf der Staatsbanken. So legten zum Wochenauftakt der führende Stahlkonzern des Landes Baoshan Iron and Steel 3,3 Prozent und der Energieversorger Huaneng 3,5 Prozent zu. Der Computerhersteller Lenovo schoss 8,7 Prozent in die Höhe. Auch der China-Experte Huang Yiping bei der Citigroup in Hongkong beschreibt den besseren Schutz der Staatswirtschaft als Nebeneffekt von Pekings Bremsmanövern. Staatsfirmen machen immer noch über 95 Prozent der 1 380 gelisteten Firmen aus. Huang Yiping hebt in seinem aktuellen Modell-Portfolio für China vor allem Titel aus Branchen hervor, die von den hohen Ölpreisen profitieren, gut von kletternden Rohstoffpreisen leben, China mit Energie versorgen oder im Transportsektor aktiv sind.

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