Nach der Kursrally gelten Versorgeraktien als ausgereizt – Hohe Ölpreise stützen Kurse von Royal Dutch und Total
Ölwerte drängen in die Favoritenrolle

An den europäischen Aktienbörsen fällt die bisherige Jahresbilanz eindeutig aus: Defensive Titel haben Hochkonjunktur. Seit Jahresbeginn zählen neben Pharmaaktien Energie- und Ölwerte zu den größten Gewinnern im Auswahlindex Euro Stoxx 50.

FRANKFURT/M. Während Analysten aber bei den Anteilsscheinen der großen Ölkonzerne weitere Kursgewinne erwarten, sehen sie, dass bei vielen Versorgern die Luft allmählich raus ist – obwohl die Energiekonzerne auch von weiter anziehende Strompreisen profitieren werden.

„Die Strompreis-Prognosen für die Jahre 2005 und 2006 sind exorbitant hoch“, berichtet Katja Blanke von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Dafür sind aber auch sie Kurse sind bereits sehr gut gelaufen“, gibt Mario Kristl, Branchenexperte bei Helaba Trust, zu Bedenken. So legte allein die RWE-Aktie seit Jahresbeginn über 26 Prozent zu, während der gesamte Index nur ein mageres Plus von rund vier Prozent erzielte. Doch ein Ende dieser Rallye ist für Kristl trotz der guten Perspektiven in Sicht. Gerade deutsche Schwergewichte wie Eon oder RWE versprechen nur noch wenig Potenzial. Allein die Titel des spanischen Versorgers Iberdrola empfiehlt der Helaba-Experte momentan zum Kauf. „Die Spanier überzeugen nicht nur durch hohe Wachstumsraten, sondern gelten auch als Übernahmekandidat“, sagt Kristl.

Weitaus besser fällt das Urteil der Analysten für Ölwerte aus. Denn die Aktien locken nicht nur mit Dividendenrenditen von teilweise über vier Prozent. Sie sind auch vergleichsweise günstig bewertet. Und auch fundamental stehen die Konzern bestens da. Wegen der hohen Ölpreise sei die Ertragslage bei den Firmen exzellent, sagt beispielsweise Ralph Herre von der Landesbank Baden-Württemberg.

Daran wird sich auch zumindest in naher Zukunft nichts ändern, meinen die Experten. Denn eine Entspannung bei den Ölpreisen ist angesichts der brisanten politischen Situation im Nahen Osten und der damit einhergehenden Gefahr von Anschlägen auf wichtige Pipelines vorerst nicht in Sicht. Zudem schüren die Querelen um den russischen Yukos-Konzern die Spekulation. Aber nicht nur der Preis, sondern auch die Nachfrage nach dem Rohstoff Nummer eins liegt dank des enormen Energiehungers Asiens und der knappen Vorräte in den USA auf einem Rekordhoch liegt. Folge: Derzeit laufen die Raffinerien auf Hochtouren.

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