Nach der Wahl in der Türkei
Warum die Börse Erdogans Wahlsieg feiert

Lange hatten Investoren wenig Freude, in der Türkei anzulegen. Doch der Erdrutschsieg der AKP befeuert am Montag die türkischen Märkte, die Lira macht einen Satz nach oben. Doch Analysten zweifeln an der Nachhaltigkeit.

IstanbulDer deutliche Wahlsieg der AKP bei den Parlamentswahlen hat die türkischen Märkte befeuert. Die Börse in Istanbul hat mit einem Kurssprung auf den Wahlsieg der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan reagiert. Zum Handelsstart am Montagvormittag stiegen die Kurse zeitweise um 5,4 Prozent, am Vormittag betrug das Plus immer noch deutliche 5,1 Prozent.

Auch die türkische Lira notierte stärker. Die Währung kostete am Morgen rund 0,329 Euro und damit 1,8 Cent mehr als vor den Wahlen am Sonntag. Das Umtauschverhältnis zum US-Dollar stieg binnen kurzer Zeit so stark an wie seit 2008 nicht mehr. Bis 10:30 Uhr Ortszeit kletterte der Wechselkurs um 4,2 Prozent auf 2,79 Lira pro Dollar. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen fielen um 42 Basispunkte auf ein Dreimonatstief von 9,35 Prozent.

Roxana Hulea von Société Générale hält den Wahlausgang zwar für überraschend deutlich. „Aber der deutlich AKP-Sieg könnte die optimale Ausgangslage für die kurzfristige Dynamik von Wirtschaft und Aktienmarkt sein“, erklärte die Analystin. Vor allem eine schnelle Regierungsbildung könnte die Währung nun deutlich stärken, „vor allem auch im Vergleich zu Konkurrenzwährungen wie dem südafrikanischen Rand“, so Hulea.

Die AKP hatte bei den Wahlen am Sonntag die absolute Mehrheit zurückerobert, nachdem sie diese im Juni erstmals seit 13 Jahren verloren hatte. Die politische Hängepartie zwischen Juni und November schadete auch Investoren: Während zahlreiche Börsenwerte vor allem aus dem Finanzsektor absackten, verlor auch die Türkische Lira immer stärker an Wert. „Investoren sind erleichtert zu sehen, dass das Land nicht noch in einen weiteren Leerlauf geraten ist“, sagte Alp Serbetli, Händler der Istanbuler Anadolubank, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

In den letzten Jahren hatte sich das Wirtschaftswachstum in dem Land verlangsamt. „Neben den seit Jahren niedrigen Direktinvestitionen internationaler Unternehmen ist der Haupttreiber des türkischen Wirtschaftswachstums, der private Konsum, beständig über die Jahre weniger gewachsen als in der Vergangenheit“, erklärte Sebastian Kahlfeld von DWS dem Handelsblatt. Auch die Exportzahlen hätten demnach nicht das Wachstum unterstützt. Kahlfeld leitet unter anderem den Türkei-Fonds von DWS.

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