Nach Jahren des Booms
Windstille in der Windbranche droht

Im Gegensatz zum Neuen Markt hat die Windkraftbranche die Marktkrise in den vergangenen Jahren besser überstanden. Doch nun droht der einstigen Vorzeigebranche ein ähnlicher Effekt.

HB FRANKFURT. Nach Jahren des Booms steckt nun die einstige Vorzeigebranche in einer Flaute. Windstille auch auf dem Weltmarkt, eine weitgehende Sättigung der Binnennachfrage und die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe machen dem Gewerbe zu schaffen.

Zudem moniert Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement eine Subventionsmentalität und selbst der grüne Umweltminister Jürgen Trittin will die Förderung für Windanlagen auf Land schneller als ursprünglich geplant kürzen.

Kaum noch geeignete Bauflächen

Teilweise ist die Branche Opfer ihres eigenen Erfolgs: Fast alle geeigneten Bauflächen sind mittlerweile „dicht“, kaum eine Hügelkette in den Mittelgebirgen oder eine windträchtige Ebene im Flachland ist noch frei von Windrädern. Der Anteil der Windenergie am Stromverbrauch in Deutschland liegt derzeit bei 5,2 Prozent. Bundesweit stehen nach Angaben des Bundesverbandes für Windenergie (BWE) rund 14 000 Anlagen mit einer Leistung von 13 000 Megawatt. „Der deutsche Markt ist relativ gesättigt, der Kuchen ist im Prinzip verteilt“, sagt Öko-Fondsmanager Erich Hein vom Bankhaus SEB. Der Neubau von Windkraftanlagen ging nach Angaben des BWE entsprechend im ersten Halbjahr um annähernd ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das führte bereits zu Umsatzeinbußen von 70 bis 80 Mill. Euro. Hinzu kommt das Zögern der Banken bei Kreditvergaben. BWE-Vize Hermann Albers zeigt sich gleichwohl zuversichtlich: „Wir sind im Gespräch, um eine Neuorientierung zu erreichen.“

Davon spüren die Unternehmen der Branche bislang aber nichts. Der Energiedienstleister Umweltkontor etwa nahm trotz Umsatzwachstums und weniger Verlust die Gewinnerwartung für das Jahr wegen fehlender Finanzzusagen von Banken zurück. Auch die Hamburger Windkraftanlagenhersteller REpower und Nordex reduzierten wegen schwacher Auftragslage ihre Prognosen. „Die Aktienentwicklung der Windenergiewerte war seit 2002 total negativ“, bilanziert Fondsmanager Hein. Gegenüber ihren Höchstständen haben Firmen wie Nordex und Umweltkontor rund 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Politischer Streit behindert

Wenig förderlich für die Bereitschaft der Banken, weitere Kredite zur Verfügung zu stellen, ist auch der politische Streit um die künftige Förderung der Windkraft. Im Entwurf von Umweltminister Trittin für eine Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist vorgesehen, den Basis-Vergütungssatz für Strom aus Wind um 0,5 Cent pro Kilowattstunde und damit um gut fünf Prozent zu senken. An windschwächeren Standorten soll die Basisförderung schneller sinken, als bislang vorgesehen. Stärker gefördert werden soll dagegen die Gewinnung auf See. Clement will dagegen die Fördersätze deutlich schneller und stärker senken, als von Trittin geplant. Zudem strebt Clement an, Fördergelder künftig per Ausschreibung an den günstigsten Anbieter zu vergeben. „Je mehr über die Branche diskutiert wird und je unklarer die Zukunft des EEG ist, desto schlechter ist das für die Branche. Das verunsichert auch die Banken“, beschreibt Nils Machemehl von MM Warburg die Auswirkungen der Debatte.

Auch Frank Skodzik, Analyst bei der WestLB, warnt, der Markt werde kurzfristig zusätzlich unter Druck kommen, wenn die von Trittin geplante Senkung der Förderung für Binnenanlagen realisiert wird. Die Branche selbst befürchtet Umsatzeinbußen von zehn bis 15 Prozent dadurch. Der Neubau an Land werde in den kommenden Jahren die wirtschaftliche Basis der Branche sein. Noch könne der Rückgang von Anlagen an Land nicht durch Windenergie auf See oder so genanntes Repowering - dem Austausch von alten Anlagen durch neue leistungsfähigere - ausgeglichen werden. Auch der Export sei noch nicht weit genug, um einen Einbruch im Binnenanlagengeschäft wettzumachen.

Einziger Lichtblick sei das Bekenntnis der Bundesregierung zu Offshore-Anlagen, sagt Skodzik. „Aber der Wachstumsimpuls durch diese Anlagen wird nicht vor 2007 kommen.“ Die Branche drängt es zwar auf das Meer, doch mit dem Bau erster Anlagen in der Nord- und Ostsee soll erst 2004 begonnen werden.

Und auch von dort weht den Windkrafterzeugern eine kräftige Brise entgegen: Umweltschützer, langjährige Verbündete und prinzipielle Befürworter der Windenergienutzung, warnen vor negativen ökologischen Folgen der Offshore-Anlagen. Der Naturschutzbund sorgt sich um Auswirkungen auf den Vogelzug auf einer der Zugrouten im norddeutschen Wattenmeer. Großprojekte wie die vor Sylt geplante Anlage Butendiek mit 80 Windrädern könnten für die Vogelschwärme zu einer tödlichen Falle werden. Unterstützung finden Umweltschützer bei ihrer Klage gegen die Offshore-Anlage in der Gemeinde Kampen auf der Ferieninsel. Hier sorgt man sich allerdings weniger um Vögel, vielmehr befürchten die Inselbewohner eine optische Beeinträchtigung.

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