Nachgefragt: Andreas Kaapke
"Auf Normen der Senioren einstellen"

Andreas Kappke ist Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln. Im Interview erklärt er, wie sich die demographischen Veränderungen auf das Konsum- und Freizeitverhalten auswirken werden.

Handelsblatt: Die Geburtenrate stagniert, und der Anteil älterer Menschen wird deutlich zunehmen. Wie werden sich diese demographischen Veränderungen auf das Konsum- und Freizeitverhalten auswirken?

Andreas Kaapke:Eine ältere Gesellschaft hat ein anderes Normensystem als eine jüngere. Werte wie Sicherheit, Sauberkeit und Bequemlichkeit gewinnen an Bedeutung. Auf den Konsum übertragen nimmt das Gewicht von Service und Beratung zu. Allerdings unterscheiden sich die Älteren von gestern von denen von heute und morgen: Die heutigen Senioren sind in der Regel gut ausgebildet und haben eine höhere Lebenserwartung. Sie nehmen aktiver am Leben teil, reisen, erleben Kultur, treiben Sport und kaufen ein.

Was heißt das für den Handel?

Da Senioren zumindest zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse weiterhin Geschäfte und Warenhäuser besuchen werden, dafür sogar mehr Zeit mitbringen als andere Kunden, müssen Einzelhändler sich strategisch auf die wachsende Kundengruppe einstellen. Das beginnt bei der Ladengestaltung: Breite Gänge, rutschfeste Böden, gute Beleuchtung und ein übersichtlich angeordnetes Sortiment kommen Älteren sicherlich entgegen. Geschultes, freundliches Personal kann zweitens mit Beratung punkten. Drittens werden Dienstleistungen wie Bring- und Holdienste beliebter.

Welche Sparten dürften besonders profitieren?

Produkte und Dienstleistungen für die Freizeitgestaltung werden vor allem gefragt sein. Das beginnt bei Spielwaren. Senioren kaufen nicht nur immer häufiger für ihre Kinder und Enkel ein. Sie erfreuen sich auch an ruhigeren, geselligen Beschäftigungen wie Gesellschaftsspielen. In der Tourismus- Branche werden altersgerechte Reisen, etwa gut organisierte 14-Tages-Touren, aber auch Eintagesfahrten immer beliebter. Immer trendiger werden außerdem Dienste und Produkte rund um Gesundheit, Wellness und Fitness.

Ab wann rechnen Sie mit einer gravierenden Veränderung des Gesellschaftsbildes?

In den nächsten Jahren zeichnet sich die altersbedingte Verschiebung langsam ab. Einen Schub wird es Ende der 2020er- Jahre geben, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen.

Wie sollten Aktien-Investoren auf diese Verschiebungen reagieren?

Für Anleger wird aus diesem Blickwinkel elementar, in Unternehmen zu investieren, die sich auf die demographischen Änderungen einstellen. In der westlichen Welt aktive Aktiengesellschaften, ob nun aus Handel, Dienstleistung oder Industrie, sollten Strategien für den gesellschaftlichen Wandel vorweisen können.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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