Nachgefragt: Andreas Willius
"Wir müssen dicke Bretter bohren"

Andreas Willius ist Vorstand der Börse Stuttgart AG.Im Interview erklärt er, wie die Anleger die Börse finanzieren und das es in zehn Jahren vermutlich eine stärkere Spezialisierung der Börsenlandschaft geben wird.

Handelsblatt: Börsen kosten Geld. Wie finanziert der Anleger die Börsen?

Andreas Willius:Mit jeder ausgeführten Order fallen Börsengebühren an. Bei Parkettbörsen sind dies so genannte Schlussnoten, bei Xetra ist es die Xetra-Gebühr. Diese werden in der Wertpapierabrechnung der Banken gesondert ausgewiesen.

Beim Handel mit Dax-Werten hat Xetra faktisch ein Monopol. Sind Dax-Titel für andere Börsen für immer verloren?

Es sind sicher harte Bretter, die wir hier bohren. Aber unsere Mühen bleiben nicht ohne Wirkung. Während Stuttgart vor zwei Jahren im deutschen Aktienhandel noch 1,25 Prozent des Umsatzes auf sich vereint hat, stehen wir heute bei 2,9 Prozent.

Seit einem Jahr macht Ihnen die Börse in Frankfurt mit dem Segment „Smart Trading“ bei Derivaten Konkurrenz. Haben Sie Marktanteile verloren?

Nein, wir haben sogar leicht hinzugewonnen. Bei Hebelprodukten ist unser Anteil bei rund 90 Prozent geblieben. Die Euwax hat im Geschäft mit Anlageprodukten, in dem Frankfurt punkten wollte, ihren Anteil auf über 50 Prozent erhöht. Dennoch bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Smart Trading.

Einige Regionalbörsen haben sich bereits zusammengeschlossen. Wie viele deutsche Börsen werden überleben?

Wenn man die Vermögenslage beiseite lässt und nur die Geschäftsmodelle anschaut, gibt es nur noch zwei Börsen, die operativ am Leben sind: Frankfurt und Stuttgart. Die anderen Modelle sind kaufmännisch nicht unterlegt.

Wie wird die Börsenlandschaft in zehn Jahren aussehen?

Das ist auf Grund des schnelllebigen Geschäfts nicht vorauszusagen. Wir werden wahrscheinlich eine stärkere Spezialisierung haben. Entscheidend für die Entwicklung im europäischen Rahmen aber wird sein, inwieweit wir die grenzüberschreitende Abwicklung der Orders verbilligen. Und da sehe ich die Mühlen sehr langsam mahlen.

Werden Aktien künftig über das Internet gehandelt?

Wenn Sie so wollen, passiert dies schon heute via Direktbanken. Dass Privatanleger aber direkt an der Börse handeln oder per Ebay ihre Aktien ordern, daran glaube ich nicht. Es gibt gute Gründe, dass man als Privatanleger eine Bank zwischenschaltet. So ist gewährleistet, dass mein Kontrahent die Stücke auch liefert oder ich mein Geld bekomme.

Die Fragen stellte Till Neuscheler.

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