Nachgefragt
"Der Markt differenziert jetzt wieder"

Sechs Fragen zum Thema Firmenanleihen an Andreas Berndt, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei der Allianztochter Pimco.

Die Renditeabstände von Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen sind in diesem Jahr gestiegen. Hat Sie diese Entwicklung überrascht?

Nein. Die Risikoaufschläge sind seit 2002 – dem Jahr der Bilanzskandale – stetig gesunken. Das war wie bei einer Einbahnstraße. Diese Entwicklung musste sich irgendwann umkehren.

Was war denn der Auslöser für die steigenden Risikoprämien?

Investoren wurde das Risiko von Unternehmensanleihen wieder bewusster. Hauptgrund dafür war die schneller als erwartete Verschlechterung der Kreditqualität von General Motors und Ford und die damit verbundene Herabstufung von Standard & Poor’s in den Non-Investment-Grade-Bereich, also die Kategorie für schwache Schuldner. Die Marktentwicklung wurde durch technische Faktoren in strukturierten Kreditprodukten verstärkt. Außerdem verunsichern die Spekulationen um stark kreditfinanzierte Übernahmen von Unternehmen – so genannte Leveraged Buy-outs (LBOs) – den Markt.

In den vergangenen Wochen sind die Aufschläge aber wieder etwas gesunken ...

Das stimmt. Einige Investoren sahen bei den höheren Risikoaufschlägen wieder Einstiegschancen. Aber ich bin sicher, dass wir die niedrigen Spreads vom Februar nicht wieder sehen werden.

Was spricht dagegen?

Die Unternehmen konzentrieren sich wieder mehr auf Aktionärsinteressen: Sie erhöhen die Dividenden, kaufen eigene Aktien zurück, und auch Fusionen und Übernahmen sind wieder ein Thema. Der Schuldenabbau steht nicht mehr im Fokus. Und bei Unternehmensanleihen aus dem Bereich Non-Investment-Grade fürchten wir, dass die Ausfallrate in den nächsten Jahren leicht steigen wird.

Das hört sich ja beängstigend an ...

Ist es aber nicht. Ich gehe bei Unternehmensanleihen im Investment-Grade davon aus, dass sich die Risikoaufschläge zunächst seitwärts bewegen. Im nächsten Jahr könnten sie dann leicht steigen.

Welche Strategie verfolgen Sie in diesem Marktumfeld?

Wir differenzieren sehr stark bei Laufzeiten, Sektoren und einzelnen Krediten. So halten wir zum Beispiel die im nächsten Jahr fälligen Anleihen von General Motors und Ford für attraktiv. Diese Bonds werden wir halten. Außerdem mögen wir den relativ stabilen Telekombereich. Dort halten wir derzeit Telecom Italia in mittleren Laufzeiten für besonders attraktiv. Generell differenziert der Markt jetzt wieder stärker zwischen einzelnen Krediten. Das bietet uns als aktiv handelnden Fondsmanagern auch wieder größere Chancen.

Die Fragen stellte Andrea Cünnen.

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