Nachgefragt: Hans-Jörg Naumer
"Die größte Gefahr ist der Ölpreis"

Ölpreis, Arbeitsmarkt, geopolitische Risiken - der deutsche Aktienmarkt wird im Herbst vor großen Herausforderungen stehen, meint Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse beim Deutschen Investment Trust.

Welche Unsicherheiten könnten den deutschen Aktienmarkt im Herbst belasten?

Die größte Gefahr geht weiterhin vom Ölpreis aus.Die Konsumenten - vor allem in den USA - leiden nicht nur unter dem Kaufkraftverlust, der an der Zapfsäule entsteht.Auch die Sparquote ist in den USA noch immer gering, und der Arbeitsmarkt könnte sich schlechter entwickeln als erwartet.Das wäre ein Dämpfer für die Weltkonjunktur.Nicht zu vergessen: die geopolitischen Risiken. Das aber ist nur die "schwarze Seite" des Marktes, welche die Chancen einfach übersieht.

Welche Branchen sind zurzeit besonders riskant?

Der Wachstumszyklus ist, besonders in den USA, reifer geworden.Dazu kommt der "Sonderfaktor Öl".Das legt defensive Branchen nahe und solche, die wenig auf den hohen Ölpreis reagieren, der letztlich Kaufkraft abschöpft - also zum Beispiel Telekom- oder Energiewerte.

Sind Unternehmensanleihen eine Alternative oder empfehlen Sie einen Mix?

Da ich den Aktien im aktuellen Umfeld nicht Lebewohl sagen will - dafür ist das Segment immer noch zu attraktiv -, empfiehlt sich sicher ein Mix.In unseren Analysen haben wir festgestellt, dass Unternehmensanleihen tatsächlich eine eigene Assetklasse und keine Zusammensetzung aus Aktien und Anleihen sind. Sie können damit einen guten Beitrag für das Risiko-/Ertragsprofil des Portfolios liefern.

Worauf sollten Anleger beim Kauf achten?

Anleger sollten sich beim Kauf unbedingt darüber im Klaren sein, dass Unternehmensanleihen nicht einfach "Staatsanleihen mit Renditekick" sind.Auch sie bergen ein mit dem Unternehmen verbundenes Risiko.Verschlechtert sich die Unternehmensbonität, dann verschlechtert sich das Rating und der Risikoaufschlag gegenüber der Rendite von Staatsanleihen ("Spread") steigt - die Kurse fallen. Also: Auch bei Unternehmensanleihen bedarf es der breiten Streuung und des aktiven Managements.

Sollten die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden?

Das hängt vom Anleger ab.Bei einer guten Rendite kann sich der vorzeitige Verkauf lohnen.Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel Renditeanstiege oder Bonitätsverschlechterungen zu befürchten sind.Ein Investor kann natürlich auch auf Kursgewinne beispielsweise in Folge sich verringernder Spreads setzen.So oder so sollten Unternehmensanleihen als Assetklasse ihren festen Platz im Depot haben.

Die Fragen stellte Claas Pieper.

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