Nachgefragt
Hans-Jürgen Klisch im Interview

Hans-Jürgen Klisch erklärt im Interview, wie sich Anleger mit Blick auf China in Rohstoffen positionieren können und welche Unternehmen er konkret favorisiert. Der Geschäftsführer von Raymond James & Associates geht desweitern davon aus, dass der Ölpreis auf Dauer hoch bleibt.

Handelsblatt: Nach Jahren der Flaute interessieren sich Anleger wieder für Rohstoffe. Wo liegen die Gründe?

Hans-Jürgen Klisch: Bei den Investoren ist nach dem Platzen der Internetblase verstärkt Realismus eingekehrt. Die Träume vom Boom der virtuellen Welt sind geplatzt. Reale Werte sind wieder gefragt. Zudem: Rohstoffe waren als Kapitalanlage jahrelang verpönt. Auch deshalb, weil es an geeigneten Anlageinstrumenten mangelte.

Überrascht Sie das Ausmaß des Preisanstiegs?

Nein – absolut nicht. Betrachtet man die fundamentale Situation, dann werden die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich. Dass Investitionen in Rohstoffprojekte unterblieben sind, rächt sich heute in einem nur beschränkten Angebot. Und wenn dann – wie wir es derzeit sehen – die Nachfrage explodiert, kommt es zu Engpässen und Preissprüngen.

Welchen Einfluss hat China auf diese Entwicklung?

Aus China kamen die entscheidenden Nachfrage-Impulse. Der immense Rohstoffbedarf des boomenden Landes hat dann dazu geführt, dass auch die Spekulation an den Terminbörsen auf Rohstoffe aufmerksam wurde. Hinzu kommt, dass der steigende Bedarf Chinas mit einer kräftigen Erholung der Weltkonjunktur einherging, so dass auch die Nachfrage der Industrieländer kräftig angeschoben wurde.

Bei welchen Rohstoffen ist der Bedarf Chinas am größten?

Bei Energie. Wir rechnen damit, dass die chinesische Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr um mehr als 18 Prozent steigen wird. Dieser Trend dürfte über Jahre hinweg anhalten. Interessant ist: China war bis 1996 Ölexporteur und ist seither einer der größten Ölimporteure.

Müssen sich die Industrieländer darauf einstellen, dass der Ölpreis auf Dauer hoch bleibt?

Ich denke ja. Die Zeit billigen Öls ist vorbei. Und ohne Energie geht in den Industrieländern überhaupt nichts. Zu bedenken ist auch, dass neben China inzwischen auch Indien verstärkt Rohöl nachfragt.

Wie können sich die Anleger mit Blick auf China in Rohstoffen positionieren?

Am interessantesten sind Aktien von Ölproduzenten und Metallminen – Titel von Unternehmen, die beim Aufbau der Infrastruktur und in der Suche und Exploration bei Rohstoffen tätig sind. Es müssen nicht zwangsläufig Aktien chinesischer Unternehmen sein. Denn noch herrscht in China eine große Rechtsunsicherheit. Viel versprechend sind auch internationale Unternehmen, die in Chinas Rohstoffsektor Lizenznehmer sind.

Welche Unternehmen favorisieren Sie konkret?

Chancen sehe ich in der Ölgesellschaft CNOOC, in Kerr McGee und Ultra Petroleum.

Die Fragen stellte Udo Rettberg

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