Nachgefragt: Ingo Ralf Mainert, Leiter der Vermögensverwaltung im Private Banking der Commerzbank
"Wir raten zur hohen Aktienquote"

Ingo Ralf Mainert ist Leiter der Vermögensverwaltung im Private Banking der Commerzbank. Im Interview erklärt er, welche Rolle bei Privatanlegern Hedge-Fonds, Optionsscheine und Zertifikate spielen.

Handelsblatt: Was raten Sie einem Kunden, der mit der Vorgabe „Spekulatives Portfolio“ zu Ihnen kommt?

Ingo Mainert: Wir empfehlen eine überdurchschnittliche Aktienquote. Aktienmärkte sind aktuell die einzige Vermögensklasse, in der Risiko adäquat bezahlt wird. Dagegen werden die Risiken an den Rentenmärkten unterschätzt. Zudem ist die Beimischung von Hedge- Fonds-Zertifikaten in Höhe von fünf bis zehn Prozent interessant.

Ist der Kauf bei Kurseinbrüchen wie am Montag interessant?

Im aktuellen Fall, ja. Wir würden die laufende Korrektur an den Aktienmärkten zum Einstieg respektive zur Aufstockung nutzen. Unser gesamtwirtschaftliches Szenario ist unverändert geprägt von einem sich verlangsamenden, aber konstruktiven Weltwirtschaftswachstum von vier Prozent bei moderaten Preissteigerungsraten von zwei bis drei Prozent. In der Summe bleiben die Zinsen, trotz Tendenz nach oben, historisch niedrig. In Kombination mit absolut steigenden Unternehmensgewinnen sind dies gute Rahmendaten für Aktien. Wir halten an unseren Jahresendprognosen für Dax (4 750), EuroStoxx 50 (3 300) und S&P 500 (1 280) fest.

Welche Rolle spielen bei Privatanlegern Hedge-Fonds, Optionsscheine und Zertifikate?

Die Rolle von Zertifikaten und Hedge-Fonds hat zugenommen. Während Zertifikate auch im klassischen Privatkundengeschäft Wachstumsraten verzeichnen, sind Hedge-Fonds-Anlagen vom Private Banking dominiert. Optionsscheine sind von den Zertifikaten stark verdrängt worden.

Wie viel Prozent sollten trotz spekulativer Ausrichtung konservativ angelegt werden?

Entscheidend ist die Gesamtzusammensetzung des Portfolios, die individuelle Risikotragfähigkeit sowie der Anlagehorizont. Aktienmärkte ermöglichen mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit auf Sicht von fünf Jahren Kapitalerhalt, verlieren also auf lange Sicht an spekulativem Charakter. Wir empfehlen, einen wesentlichen Teil in den Heimatmärkten anzulegen. Bei spekulativen Investments wie Aktien, Unternehmensanleihen, Hedge-Fonds und Rohstoffen ist auf eine breite Diversifizierung und ein ausgeprägtes Risikomanagement zu achten.

Muss ein spekulatives Portfolio häufiger umgeschichtet werden als ein konservatives?

Tendenziell ja, muss aber nicht. Der Umschlagfaktor ist größtenteils marktabhängig. In Seitwärtsbewegungen kommen Umschichtungen häufiger vor als in deutlich trendbehafteten Märkten.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%