Nachgefragt: Karsten Stroh
"Nahost und Afrika rücken ins Blickfeld"

Karsten Stroh ist Leiter des Aktienteams von JP Morgan Asset Management in Frankfurt. Im Interview erklärt er, wann Taiwan und Südkorea aufrücken werden und welche Enwicklung bei Anleihen aus anderen Ländern zu erwarten ist.

Handelsblatt: Herr Stroh, welche Konsequenzen hätte die Herausnahme von Schwergewichten wie Südkorea und Taiwan aus den Schwellenländerindizes?

Karsten Stroh: Ich rechne mit positiven Effekten, da die Aktien dieser Länder dann im Anlageuniversum global anlegender Fonds auftauchen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Fondsmanager, aber auch Hedge-Fonds schon lange vor der Bekanntgabe der Indexanpassung aktiv werden. Davon sollten die Aktien dieser Länder schon vor den tatsächlichen Änderungen in der Indexzusammensetzung profitieren.

Wann genau rücken Südkorea und Taiwan auf?

Es ist schwierig, sich auf einen genauen Zeitpunkt von sechs Monaten oder zwei Jahren festzulegen. Zu viele Faktoren wie die Liquidität oder der Marktzugang spielen bei der Zusammensetzung eine Rolle. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dieser Schritt mittelfristig kommen wird.

Ist eine Investition in die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China eine lohnenswerte Strategie, um von den Indexänderungen zu profitieren? Deren Indexgewicht dürfte künftig massiv steigen.

Wir glauben, dass die Auswahl günstiger bewerteter Titel wichtiger ist für den Anlageerfolg als die Konzentration auf nur vier Länder. Je größer die Auswahl an Titeln, desto besser sind schließlich die Chancen, unterbewertete Unternehmen aufzuspüren. Letztlich ist aber die Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt von Indexänderungen und den Konsequenzen ein Grund mehr, ein Schwellenländerengagement in professionelle Hände zu geben.

Welche Länder bevorzugen Sie derzeit?

Aktuell sind wir zum Beispiel in Ägypten, aber auch in Korea im Vergleich zum Schwellenländerindex MSCI übergewichtet – allerdings nicht, weil wir diesen Ländern insgesamt eine gute Entwicklung zutrauen, sondern weil wir derzeit einige Unternehmen dieser Länder für sehr attraktiv bewertet halten. Ich gehe aber auch davon aus, dass sich die Aufmerksamkeit der Schwellenländerfonds künftig deutlich verschieben wird, wenn es zu einer Anpassung der Indizes kommen wird.

Welche Regionen haben Sie dabei besonders im Blick?

Noch immer gelten Osteuropa, Asien und Lateinamerika als klassische Schwellenländerregionen. Das dürfte sich bald ändern. Ich denke da besonders an den Mittleren Osten und Nordafrika. Diese Regionen werden künftig stärker in den Fokus von Schwellenländerinvestoren rücken. Bislang sind sie noch in einem Topf mit den so genannten EMEA-Staaten (Europa, Nahost, Afrika), die stark von den osteuropäischen Ländern dominiert werden.

Die Fragen stellte Christian Kirchner.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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