Nachgefragt: Klaus Martini
"Die Hausse ist noch nicht vorbei"

Klaus Martini ist Leiter der Anlagestrategie für Privatkunden bei der Deutschen Bank. Im Interview spricht er über die Aussichten von Aktien aus Schwellenländern.

Handelsblatt: Die Schwellenländer-Aktienmärkte haben jahrelang geboomt. Im Oktober gab es eine Korrektur an den Börsen. Ist die Hausse an den Emerging Markets vorbei?

Klaus Martini: Nein. Man muss die Entwicklung der Aktienmärkte in den Schwellenländern in einen größeren Zusammenhang stellen. Da ist zum einen das starke Wachstum in den aufstrebenden Ländern. Zum anderen hat die immense Liquidität der Investoren die Kurse getrieben. Sie suchen im Umfeld niedriger Zinsen und niedrigen Wachstums in der westlichen Welt immer stärker nach Anlage-Alternativen.

Wie schätzen Sie die Aussichten für Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern ein?

Die spürbare Korrektur im Oktober war nicht auf länderspezifische Ursachen zurückzuführen. Die langfristige Wachstumsstory vor allem der Bric-Länder – Brasilien, Russland, Indien und China – halten wir für intakt. Ein anhaltend kräftiges Wirtschaftswachstum in einem moderaten Inflationsumfeld sowie gute Unternehmenszahlen sollten die Stimmung an den Schwellenländer-Märkten wieder aufhellen. Da Firmengewinne auch längerfristig im Durchschnitt um 15 bis 20 Prozent im Jahr wachsen dürften, haben die Aktienkurse Potenzial, in ähnlichem Ausmaß zu steigen.

Anhaltenden Inflations- und Zinsdruck, der Emerging-Market-Aktien erfahrungsgemäß überdurchschnittlich belastet, erwarten Sie also nicht?

Die externen Belastungen, vor allem vom Trend zu weiter steigenden Geld- und Kapitalmarktzinsen in den USA, dürften nach unserer Einschätzung wieder etwas abnehmen. Bald sollte sich herausstellen, dass die derzeit an den Märkten eingepreisten Inflations- und Zinsängste übertrieben waren.

Wer sollte sein Geld in Schwellenländer-Aktien anlegen?

Emerging-Market-Titel gehören in jedes Depot. Mit Blick auf die immer wieder zu betonende Diversifizierung der Anlagerisiken sind diese Regionen mit einem inzwischen vernünftigeren, abgekühlten Aktienmarktniveau ein Muss auch für jeden Privatinvestor.

Zu welchem Anteil an Schwellenländer-Investments raten Sie privaten Anlegern?

Der Portfolio-Anteil steht und fällt mit dem Risikoempfinden und dem Anlagehorizont des Investors. Außerdem muss man Schwellenländer nach Regionen und Ländern differenziert betrachten. Einem Privaten mit mittlerer Risikoneigung, der sein Kapital längerfristig anlegen möchte, empfehlen wir aktuell, bis zu zehn Prozent seines Aktienportfolios in Asien zu investieren sowie einen kleineren Anteil in Russland und Brasilien.

Die Fragen stellte Anke Rezmer.

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