NACHGEFRAGT: MARTIN WEBER
„Nicht auf den Instinkt verlassen“

Martin Weber, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim, über Fehler bei der Geldanlage, die auf Emotionen zurückzuführen sind.

Herr Weber, was sind die schlimmsten Fehler, die Anlegern bei der Geldanlage unterlaufen?

Anleger sind oft zu risikofreudig, glauben, dass sie durch Stockpicking den Markt schlagen können, diversifizieren ihre Geldanlage zu wenig und handeln zu häufig. Damit meine ich, sie kaufen und verkaufen in relativ kurzen Abständen – zum Teil immer die gleichen Werte.

Wie kommt es zu diesen Fehlern, und welche Emotionen sind dafür im Wesentlichen verantwortlich?

Das Kernproblem bei der Geldanlage liegt darin, mit der Unsicherheit der Zukunft umgehen zu müssen. Die meisten Menschen sind sich bei der Einschätzung dessen, was zum Beispiel an der Börse kommen wird, zu sicher. Und sie überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten. Bei Umfragen haben wir festgestellt, dass sich die meisten Leute für besser als der Durchschnitt halten. Das geht schon rein statistisch gar nicht. Die Folge ist, dass Anleger wie beim Stockpicking alles auf eine Karte setzen, weil sie sicher sind, dass die gewählte Aktie steigen wird. Außerdem führt Selbstüberschätzung dazu, dass man sich weiteren Informationen gegenüber verschließt.

Wie kann ich mich als Anleger vor solchen Fehlern schützen?

Anleger sollten versuchen, rational zu entscheiden. Es geht bei der Geldanlage nicht darum, Recht zu behalten oder gut zu sein, es geht um die Maximierung des Endvermögens. Das ist die heilige Kuh in der Ökonomie. Das müssen Anleger verstanden haben. Dann kann es ihnen nicht passieren, dass sie ihre Aktien im Verlustbereich lange laufen lassen, weil sie es hassen, Verluste zu realisieren und sie zuzugeben. Rationale Investoren werden Verluste begrenzen. Und sie werden ihr Portfolio breit diversifizieren, etwa, indem sie in einen Aktienindex investieren.

Was wird denn dann aus dem richtigen Riecher? Kann es rational sein, bei der Anlageentscheidung jegliches Bauchgefühl und alle Instinkte auszuschalten?

Ja! Wenn es etwas Besseres gäbe als rationales Handeln, dann würde das zu einem erweiterten Begriff der Rationalität führen. Bauchgefühl und Instinkt sind aber per definitionem nicht rational und verbessern auch nicht das Ergebnis bei der Geldanlage. Dass es manchmal so aussieht, hat viel mit Zufall zu tun. Wenn ich im Kasino stehe und auf schwarz setze, weil das mein Bauchgefühl gesagt hat, und die Kugel fällt auf schwarz, hatte ich zwar Recht. Aber die Chance dafür stand mit 50:50 statistisch auch recht gut. Das hat nichts mit sicherem Instinkt zu tun, das sind Zufallserfolge.

Was raten Sie Privatanlegern?

Investoren sollten ökonomische Theorien lernen und sich von Profis beraten lassen.

Die Fragen stellte Ina Kirsch.

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