Nachgefragt: Michael Keppler
"Konzerne haben Kosten gesenkt"

Michael Keppler ist Präsident von Keppler Asset Management oin New York. Im Interview spricht er über den Neuwahlen, Werte und Reformprozesse.

Handelsblatt: Deutschland ist in Ihrem Portfolio stark vertreten. Hat das mit den Wahlen zu tun?

Michael Keppler:Überhaupt nicht. Wir sind Wertinvestoren, das heißt wir orientieren uns bei unseren Engagements ausschließlich an den Fundamentaldaten der Unternehmen. Und die zeigen, dass deutsche Werte generell stark unterbewertet sind.

Könnten sich mit einem Regierungswechsel diese Fundamentaldaten nicht noch verbessern?

Nein, das glaube ich nicht. Die notwendigen Reformen hat die Regierung Schröder bereits eingeleitet. Sie hat die Weichen für die Änderungen gestellt, die gebraucht werden. Eine konservative Regierung kann diesen Kurs nur fortsetzen.

Damit haben Sie eine andere Meinung als die meisten ausländischen Investoren ...

Wir setzen nicht auf das Ergebnis unbestimmter Ereignisse, sondern nur auf die Fakten. Und danach sind deutsche Aktien heute – ganz unabhängig vom Ausgang der Wahlen – sehr preiswert. Wir haben fast die ganze Deutschland AG im Portfolio, denn die Gewinne dürften hier noch steigen, wenn demnächst noch viele Sonderabschreibungen auslaufen. Wenn man nur auf den Cash-Flow blickt, also die Gewinne ohne Abschreibungen, sind deutsche Aktien etwa um 20 Prozent unterbewertet.

Woher weiß der Anleger, dass Sie Recht haben?

Mit unserer Strategie haben wir Spitzenergebnisse erzielt. Unser Globalfonds etwa hat nach dieser Methode seit August 2000 eine kumulierte Kursentwicklung von 14 Prozent erzielt. Der MSCI Word Index verlor dagegen 28 Prozent, der Durchschnitt aller globalen Aktienfonds liegt mit einem Minus von 30 Prozent sogar noch darunter.

Deutsche Aktien sind also attraktiv, obwohl das Wirtschaftswachstum gleich null ist?

Die deutschen Konzerne haben es im Rahmen der Globalisierung geschafft, ihre Lohnkosten über ein ganzes Jahrzehnt lang ständig zu senken und bei ihren Arbeitskosten das günstigere Ausland zu nutzen. Gleichzeitig sind sie auch auf der Absatzseite international aufgestellt und profitieren vom Wachstum der Weltwirtschaft.

Und das könnte ein beschleunigter Reformprozess nicht noch zusätzlich fördern?

Auf verbesserte Rahmenbedingungen jetzt schon zu setzen, wäre rein spekulativ. Außerdem: Wer weiß denn, ob Schröder nicht doch noch ein Kaninchen aus dem Hut zaubert und wiedergewählt wird? Das haben wir ja schon mal erlebt. Jetzt nur mit dem Blick auf die nächsten Wochen mitzuspielen, lehnen wir ab. Ich sage immer: Wer nicht beabsichtigt, eine Aktie fünf Jahre lang zu halten, braucht sie auch nicht fünf Minuten zu halten.

Die Fragen stellte Gertrud Hussla.

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