Nachgefragt
"Pensionsfonds sind Nischenprodukte"

Das Handelsblatt spricht mit Heribert Karch, dem Geschäftsführer der MetallRente GbR über Strategien und Ergebnisse seiner Einrichtung. Die Metallrente GbR ist eine sozialpartnerschaftliche Altersvorsorgeeinrichtung der IG Metall und des Gesamtverbands Metall.

Handelsblatt: Welche Angebote macht die MetallRente?

Wir entstanden 2001 infolge der Riesterrenten-Regelung als tarifpartnerschaftliche Einrichtung und bieten 7 500 Firmen mit 140 000 Versicherten verschiedene Instrumente, wie Pensionskassen, Versicherungen und andere. Diese haben insgesamt ein Volumen von 350 Mill. Euro. Unser Pensionsfonds ist der einzige in Deutschland mit nachhaltigen Investmentkriterien.

Karch: Welche Anlagestrategie verfolgt das Management des Pensionsfonds?

Pensionsfonds sind ja in Deutschland noch Nischenprodukte der Altersversorgung. Unser Fonds verwaltet 16 Mill. Euro. Er hat eine hohe Aktienquote bei gleichzeitiger Sicherheit durch flexible Risikopuffer. Die Kapitalallokation wird mit Ausschlusskriterien durchleuchtet. Ausgeschlossene Werte werden durch nachhaltige Werte ersetzt. Auf die Negativliste kommen Unternehmen aber nur, wenn Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite einverstanden sind.

Hat der Konsenszwang nicht den Nachteil, dass nicht-nachhaltige Konzerne drinbleiben, weil die Arbeitgeber das so wollen?

Keineswegs, wir wenden ein objektiviertes, von allen akzeptiertes Verfahren an. Da wird nicht nach Neigung entschieden. Für den Aufbau der zusätzlichen Altersvorsorge ist es gut, wenn das in Deutschland neu entstehende Pensionskapital auf den Säulen eines stabilen Sozialkonsenses zwischen den Tarifpartnern ruht.

Welches Ergebnis hat der Fonds bislang erwirtschaftet?

Das Experiment gelingt uns recht gut. Unsere Rendite ist mal etwas unter, mal etwas über der Benchmark - wie im richtigen Leben. Es gibt keine Signifikanz, dass nachhaltige Investments besser oder schlechter wären als konventionelle. 2003 hatten wir im Hauptsegment (für bis 55-Jährige) eine Rendite von 7,2 Prozent, in 2004 waren es 5,7 Prozent. Sie sehen daran, dass Pensionsfonds attraktive Instrumente der Altersvorsorge sind. Solche Renditen können Sie in Kombination mit den Sicherheiten der betrieblichen Altersversorgung in Versicherungsinstrumenten kaum bekommen.

Warum gelten solche Kriterien dann nicht für alle Produkte?

Unsere versicherungsförmigen Instrumente werden durch Versicherer gemanagt, deren Vermögensverwaltung wir nicht beeinflussen. Andernfalls würden wir faktisch zu einem Versicherungsunternehmen. Wo wir mit Publikumsfonds arbeiten, ist das Angebot noch zu eng für eine nachhaltige und zugleich den jeweiligen Investmentrichtlinien sowie Garantie- und Asset-Liability-Maßgaben genügende Kapitalallokation. Man könnte nur mit Beimischungen arbeiten - das wäre wie ein bisschen schwanger werden wollen.

Wird die Berichtspflicht Pensionskassen dazu bewegen, sich nachhaltigen Anlagestrategien zu öffnen?

Das ist offen. Die Berichtspflicht schafft nur eine erste Transparenz. Wir haben noch wenig Bewusstsein auf der Nachfrageseite. Erst wenn hier durch Information mehr Sog entsteht, wird das Angebot breiter.

Was raten Sie den Altersversorgern?

Innovatoren stehen doch stets unter Rechtfertigungsdruck. Altersversorger sollten sich aber davon befreien und mutig zu qualitativen Kriterien stehen. Denn langfristig orientiertes Pensionskapital braucht Nachhaltigkeit und sollte nicht abhängig sein von Marktvolatilitäten und Modethemen wie sie sich zum Beispiel aus der Energiepolitik der jeweiligen Bundesregierung ergeben.

Die Fragen stellte Susanne Bergius.

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