Nachgefragt: Saleh Romeih
„Der deutsche Markt wird klein bleiben“

Vier Fragen zum Thema Islamic Banking an Saleh Romeih, der als Investmentbanker die Golf-Region für die Deutsche Bank betreut.

Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat als erste Institution in Deutschland eine Islamic-Banking-Anleihe emittiert. Wird das Beispiel Nachahmer finden?

Grundsätzlich folgt das Islamic Banking der allgemeinen Marktentwicklung, jedoch mit maßgeschneiderten Produkten, die die Anforderungen islamischer Investoren erfüllen. Während Ende der neunziger Jahre die Aktienanlage im Vordergrund stand, gibt es seit dem Zusammenbruch der Börsen ein verstärktes Interesse für alternative Anlagemöglichkeiten, vor allem für Islamkonforme Anleihen wie die Bond-Konstruktion in Sachsen-Anhalt.

Wird Islamic Banking in Deutschland ein ernst zu nehmendes Geschäftsfeld werden?

Obwohl in Deutschland rund drei Millionen Muslime leben, wird Islamic Banking hier zu Lande ein kleines Segment bleiben. Die natürliche Heimat für Islamic Banking ist in den wichtigsten muslimisch geprägten Ländern, vor allem in der Golfregion. Dort gibt es die meiste Erfahrung mit und die größte Nachfrage nach Islamic-Banking-Produkten.

Weltweit ist Islamic Banking in den vergangenen Jahren mit Raten von 15 bis 20 Prozent gewachsen. Geht es in diesem Tempo weiter?

In dem Maße, in dem der Wohlstand in islamischen Ländern zunimmt, wird auch die Nachfrage nach Islamic-Banking-Produkten steigen. Voraussetzung für ein Marktwachstum ist daher nicht nur die religiöse Ausrichtung der Menschen, sondern auch die Höhe der Vermögensbildung und der Liquidität in den jeweiligen Ländern. Während es etwa in Saudi-Arabien einen etablierten Markt mit einem entwickelten Bankensystem, Fondsgesellschaften und einem Private-Banking-Sektor gibt, stehen insbesondere asiatische Länder, wie zum Beispiel die weltgrößte muslimische Nation Indonesien, noch am Anfang.

Welche Anlageprodukte werden in den kommenden Jahren für gläubige Muslime neu entwickelt?

Auf Grund der Restriktionen, denen das Islamic Banking unterliegt, wird es nicht möglich sein, alle Produkte aus dem „konventionellen“ Bankgeschäft einzuführen. Alternative Anlageformen wie Hedge-Fonds oder Derivate können nicht eins zu eins umgesetzt werden. Innovative Lösungen sind hier gefragt, die für islamische Investoren geeignet sind. Der Markt muss zudem über die nötige Breite verfügen. Nur dann können die Banken mit ihren Produkten eine kritische Masse erreichen, die nachhaltiges Wachstum erlaubt.

Die Fragen stellte Carolyn Braun.

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