Nachgefragt
"Wir leisten uns keine Emotionen"

Fünf Fragen an Sy Schlüter, Vorstand der Copernicus Beteiligungs AG in Frankfurt am Main.

Wo liegen die Risiken und wo die Chancen der Strategie Long/Short-Equity?

Häufig werden bei dieser Strategie "pair trades" aufgesetzt. Man geht z.B. in Porsche long und in VW short - so sind das Sektor- und das Aktienmarktrisiko ausgeschaltet. Dadurch ist es auch in fallenden Märkten möglich, durch Erkennen relativer Bewertungsunterschiede Gewinne zu generieren. Bei "pair trades" kann der Kurs des Shorts steigen und der Kurs des Longs fallen. Man würde dann also auf beiden Seiten verlieren.

Kann diese nicht-direktionale Strategie als vergleichsweise risikoarm gelten?

Ja - sie ermöglicht das Erzielen von Gewinnen in jeder Marktlage. Doch es kommt auf den Vergleich an. Nach gängigen Messkriterien sind solche Hedge-Funds risikoreicher als Bargeld aber risikoärmer als Aktie.

In welchem makroökonomischen Umfeld verspricht diese Strategie die größten Erfolge?

Es gibt keine allgemein gültige Regel. Während der Aktienhausse in den 90-er Jahren waren die Renditen höher als bei Aktienindizes. In der Stagnation von 2000 bis 2003 lagen die Renditen nur im niedrigen einstelligen Bereich, waren aber relativ zu den Aktienindizes hervorragend. Wichtig für den Erfolg ist die Abwesenheit von Emotion in den Märkten. In Gier- oder Angstphasen sind Aktienkurse nicht mehr analytisch in den Griff zu bekommen. Deshalb hat Long/Short im Panikjahr 2002 das erste negative Jahresergebnis eingefahren.

Sind Long/Short-Equity-Manager meist nicht doch überwiegend "long"?

Es liegt in der menschlichen Natur, eher an positive als an negative Entwicklungen zu glauben. Somit fällt es üblicherweise leichter, auf steigende Aktienkurse zu setzen. Ein Hedge-Funds-Manager benötigt einen gewissen Zynismus und ein tiefes Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen, um an Misserfolge des Unternehmensmanagements zu glauben.

In welchen Branchen wenden Sie diese Strategie derzeit an?

Wir sind untypisch, da wir Sektor- und Marktrisiken nicht grundsätzlich absichern. Wir machen die Bewertung von Unternehmen über Branchen und Märkte vergleichbar und stellen die teuersten gegen die billigsten Aktien. Selten kommen diese aus der gleichen Branche, oft sind ganze Branchen zu teuer oder zu billig. So waren wir 2000 bei den großen Telekomkonzerne short, weil alle überbewertet waren. Derzeit finden wir fast alle großen Lebensmittel- und Getränkefirmen überbewertet. Viele mittlere Maschinenbauer und Einzelhandelsunternehmen in Europa sind dagegen günstig bewertet.

Die Fragen stellte Udo Rettberg

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