Nachgefragt
"Wir setzen auf Werte in Europa"

Fünf Fragen zum Thema Tech-Werte an Klaus Holschuh, Leiter des Bereichs Research und Volkswirtschaft der DZ Bank.

Wo sind die neuen Chancen, die sich im Tech-Bereich auftun?

Der demografische Wandel und das stärkere Gesundheitsbewusstsein macht den Bereich Biotech, insbesondere mit dem Bezug Pharma, interessant. Weiter zunehmen wird die Durchdringung von Unternehmen und Privathaushalten mit Internetanwendungen: schneller, mobiler, multimedial. Das höhere Sicherheitsbedürfnis, im Automobil ebenso wie bei Personenerkennung und Datentransfer, gibt neue Impulse.

Aktien welcher Branchen stehen dabei im Blickpunkt?

Im Bereich IT sind es die Automatisierung von Geschäftsprozessen und die IT-Sicherheit, bei der Biotechnologie neue Wachstumsschübe in der Medikamentenentwicklung, die sich mehr und mehr aus den Pharmaunternehmen in diesen Bereich verlagert. Für die Nanotechnologie gibt es eine breite Palette an Anwendungsgebieten, ebenso für neue Energien wie den Wasserstoffantrieb, doch beide Bereiche bieten kaum Anlagemöglichkeiten außer bei Private-Equity-Fonds.

Wo sind die Chancen für Tech-Aktien derzeit besser: In den USA oder in Euroland?

Die Unterbewertung europäischer Aktien im Vergleich zu US-amerikanischen, die am Gesamtmarkt zu beobachten ist, findet sich auch bei Technologieaktien wieder. Europäische Tech- Werte weisen einen Bewertungsabschlag von etwa 30 Prozent auf. Dies wird auch durch die leicht höhere Wachstumsdynamik in den USA nicht aufgewogen. Wir erwarten, dass sich die Bewertungslücke im Zuge der Konjunkturerholung in Europa sukzessive schließen wird und favorisieren europäische Technologiewerte.

26 von 30 TecDax-Werten machen Gewinn. Werden sie dadurch langweilig oder für die Masse der Anleger interessant?

Durch das Erreichen der Profitabilität ändert sich meist das Chance-Risikoprofil der Aktie. Wenn das Geschäftsmodell den ersten Test auf seine Tragfähigkeit bestanden hat, verringern sich die Totalverlustrisiken einer Anlage, insbesondere bei gering kapitalisierten Techwerten. Natürlich gehen mit den geringeren Risiken auch die Ertragschancen zurück. Das kommt der gegenwärtigen Risikobereitschaft im Markt allerdings entgegen.

Ist die Unterscheidung in Tech- und Klassik-Werte noch sinnvoll, nachdem bei klassischen Unternehmen immer mehr Technologie Einzug hält?

Eine Ausrichtung auf Technologie bei vielen klassischen Industrieunternehmen ist Ausdruck zunehmender Reife von Wachstumsmärkten wie etwa dem Internet. Dennoch entstehen immer wieder Wachstumsfelder, in denen Großunternehmen nicht aktiv sind. Insofern behält die Unterscheidung ihre Berechtigung.

Die Fragen stellte Christian Schnell.

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