Nachgerechnet: So lukrativ kann ein langweiliges Depot sein

Nachgerechnet
So lukrativ kann ein langweiliges Depot sein

Mit einem ausgewogenen Depot hätten es Anleger bestens durch die Finanzkrise geschafft: Eine ansehnliche Aktienquote und konservative Anleihen machen es möglich. Bei dieser Rendite wären viele Fondsmanager neidisch.
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DüsseldorfIn dieser Kolumne habe ich Sie ja schon oft vor den Risiken von Finanzanlagen gewarnt, ob es Aktienanleihen, fondsgebundene Rürup-Renten oder Bäume in Costa Rica sind. Doch was tun? Wenn Sie Ihr Geld einfach so herumliegen lassen, ist es irgendwann nur noch die Hälfte wert. Es gibt immer wieder den Rat, das Depot vernünftig zu streuen. Von jedem etwas zu haben. Auch Aktien. Doch ist das nicht zu gefährlich?

Wir haben einmal die Wertentwicklung eines eher langweiligen, ausgewogenen Depots nachgerechnet, durch die ganze Finanzkrise hindurch. Start am 1.1. 2007, noch vor der Lehmann-Pleite.
100.000 Euro wären zu 33 Prozent in Aktien geflossen: Dafür haben wir einen börsengehandelten Indexfonds von DBX-Trackers gewählt, der den breiten europäischen MSCI Europe abbildet (WKN:DBX1ME). Da sind sogar Aktien aus Ländern wie Griechenland mit drin.

Weitere 33 Prozent wären in erzkonservative Bundesanleihen investiert worden. Der Einfachheit halber abgebildet über einen Fonds von I-Shares, der die Entwicklung des Anleiheindex Rex samt Zinsen widerspiegelt (WKN 628946).

Ein Sechstel, also 16,66 Prozent wären in Festgeld – nach Daten der Finanzberatung FMH zu jeweiligen Durchschnittszinsen - angelegt worden. Etwa zehn Prozent wären in Goldmünzen investiert worden, zu Preisen des großen Goldhändlers Pro Aurum. Und den Rest hätten wir als Notgroschen in Tagesgeld angelegt.

Der Aktienfonds wäre 2008 kräftig nach unten gerasselt. Minus 48 Prozent. Doch während der Krise flüchteten viele in Bundesanleihen. Das hat die Kurse der deutschen Staatsbonds nach oben getrieben und über die sechs Jahre eine Wertsteigerung von über 35 Prozent gebracht. Und die Goldmünzen haben sich in dieser Zeit im Preis mehr als verdoppelt.

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Alle zwei Jahre sollte das Depot angepasst werden

Kommentare zu " Nachgerechnet: So lukrativ kann ein langweiliges Depot sein"

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  • Meines Erachtens machen Sie den Fehler, der offiziellen "Inflationslüge" aufzusitzen. In Wirklichkeit beträgt kann Ihre Inflation, je nach Lebenssituation und sozialer Schichtung, durchaus auch mal 10 % pro Jahr betragen.

  • Vielen Dank für Ihre interessanten Kommentare.
    Die beiden ETFs waren der Einfachheit halber gewählt.
    Mit echten Bundesanleihen und einem breiten europäischen eigenen Aktienportfolio (20 bis 30 Werte) wäre die Rendite ähnlich ausgefallen. Übrigens, würden Sie in Anlagefragen das Wort "hätte ich" streichen, müssten sie auf sämtliche historischen Betrachtungen verzichten.

  • Typischer Artikel zum Zweck des Productplacements (WKNDBX1ME & WKN628946)

  • Wenn man sich an der Börse bewegt muss man die Aussage "hätte ich" aus dem Wortschatz streichen. Rückblickend sind wir alle sehr schlau.

  • @whisky

    Kleine Ergänzung. Als ausgebildeter Psychologe kann ich Ihnen sagen, dass Unbewußtes, Emotionen, biologische Prozesse usw. jede noch so banale Entscheidung von uns beeinflussen. Das begrenzt sich sicherlich nicht nur auf die Geldanlage. Bei Interesse auch gerne mal die nachgewiesenen Heuristiken und Modelle von Kahneman/Tversky oder Gigerenzer nachlesen. Höchst spannend wie unterschiedlich wir uns bei wahrgenommenen Gewinnen/Verlusten (idealtypisch) verhalten.

  • Im Rückblick ist jeder schlau, auch Frau Hussla. Dass Ende 2008 der ideale Zeitpunkt für eine Anlage in Aktien war, weiß heute jeder. Nur in der damaligen Weltuntergangsstimmung eine solche Empfehlung auszusprechen oder zu befolgen, haben sich die wenigsten getraut. Lege niemals alle Eier in einen Korb, wusste auch schon meine Großmutter. Heute nennt man das Diversifikation. Genauso wie Rendite, Liquidität und Sicherheit das magische Dreieck der Kapitalanlage ausmachen. Deshalb investiert man auch nicht in den von Frau Hussla empfohlenen börsengehandelten Indexfonds von DBX-Trackers, der den breiten europäischen MSCI Europe nur mit Swaps abbildet. Da hat man sich dann das volle Kontrahentenrisiko von finanzschwachen Banken eingekauft und steht am Ende bei einem Zusammenbruch des Finanzsystems nur noch mit wertlosen Forderungen dar. Reale Werte sind in Zeiten der Staats- und Bankverschuldungskrise angesagt, nicht bedrucktes Papier. Vielleicht sollte Frau Hussla mal die Artikel einiger ihrer Kollegen und Kolleginnen etwas sorgfältiger lesen, dann müssen die Handelsblatt-Leser auch nicht mehr mit solch unausgegorenen Empfehlungen auseinandersetzen.

  • Experimente und Track Records von vorne nach hinten angelegt, sind vollkommen wertlos.

  • "Besser als so mancher Fondsmanager..."? Ich denke eher: "Besser, als fast alle Fondsmanager"!

  • Der Observer hat Börsen-“Experten” gegen Studenten antreten lassen – und eine Katze. Wie fast zu erwarten war, war der Gewinn der Katze nach einem Jahr dreimal so hoch wie der der „Profis“.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=16106#h17
    50 Prozent des Finanzmarktgeschehens sei nichts als Psychologie, sagen kritische Beobachter. Hirnforscher belegen inzwischen in Experimenten: Ängste, Selbstüberschätzung und Hormone mischen kräftig mit, wenn Millionensummen über den Globus bewegt werden.
    http://www.swr.de/swr2/wissen/boersianer/-/id=661224/nid=661224/did=10922346/12behc5/index.html

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