Nachhaltige Aktienindizes halten mit
Umweltbewusstsein zahlt sich aus

Wer ein gutes Gewissen haben will, muss bei der Geldanlage keineswegs auf Rendite verzichten. Nachhaltige Aktienindizes halten im Rennen um Performance mit ihren konventionellen Vergleichsindizes mit. Dies ergibt ein Vergleich von 26 und somit fast aller weltweit verfügbarer Nachhaltigkeitsindizes durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dessen Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Nachhaltigkeitsindizes orientieren sich bei der Auswahl der Unternehmen nicht nur an ökonomischen, sondern auch ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten.

BERLIN. "Die meisten Indizes kleben in Mehrjahresvergleichen an ihrer Benchmark, nur wenige eher unbekannte schneiden schlechter ab. Einige schnitten sogar besser ab", berichtet Michael Schröder, Leiter des Forschungsbereichs internationale Finanzmärkte beim ZEW.

Spitzenreiter ist der deutsche Naturaktienindex NAI: Er übertrifft als einziger sehr stark seine Benchmark, den Aktienindex MSCI World. Der durchschnittliche risikobereinigte Jahresertrag des Dow Jones Sustainability Index World liegt immerhin um zwei Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Dow-Jones-Weltindexes. Der französische Aspi weist eine leichte Outperformance auf. Ob diese Erfolge strukturell bedingt und somit auch künftig zu erwarten sind, lässt sich noch nicht sagen. Die Zeitreihen seien für alle Indizes noch zu kurz, um dazu statistisch gesicherte Aussagen zu machen, erläutert Schröder.

Überraschendes Ergebnis ist, dass fast alle Nachhaltigkeitsindizes ein leicht höheres Risiko haben als ihre konventionellen Pendants. Bisher war das Gegenteil erwartet worden, weil Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, meist ein besseres Risikomanagement haben.

Erneut bildet der NAI die Ausnahme: Er hat ein deutlich geringeres Risiko als die Benchmark. Das hänge wohl mit der besonderen Auslese und der nur geringen Zahl von 25 weltweit notierten Unternehmen zusammen, erläutert Schröder. Eine Einschränkung des Anlagehorizonts erhöht – anders als viele konventionelle Analysten behaupten – somit nicht unbedingt das Risiko. Ein leicht geringeres Risiko als die Vergleichswerte haben der auf britische Firmen fokussierte Index der FTSE4Good-Familie, der französische Aspi und die beiden Versionen des italienischen Ethical-Indexes.

Schröder ging in einem zweiten Projekt auch der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen Bilanzkennzahlen von Unternehmen und dem Abschneiden bei Nachhaltigkeitsratings gibt. Er verglich europaweit die Unternehmen, die der für die Zusammenstellung des DJSI zuständige Schweizer Vermögensverwalter Sustainable Asset Management (SAM) beurteilt. Verblüffendes Resultat: "Zwischen dem Nachhaltigkeitsurteil sowie der ökonomischen und der sozialen Teilbewertung auf der einen Seite und dem Abschneiden bei der Kapitalrendite auf der anderen Seite gibt es keinen Zusammenhang", resümiert Schröder. "Das bedeutet auch, dass sich soziales Engagement und Mitarbeiterverantwortung, anders als oft behauptet, nicht unbedingt nachteilig auf die Kapitalrendite auswirken".

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