Nachhaltige Publikumsfonds
Zeichen für Transparenz

Der Markt für Ökofonds boomt. Ein neues Qualitätssiegel soll jetzt den Anlegern Orientierung bieten.

Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsfonds liegen im Trend. Konventionelle Banken springen scharenweise auf den Zug auf, um vom Anlegerinteresse an diesen zukunftsorientierten Geldanlagen zu profitieren. Einige Konzepte enthalten aber weniger Nachhaltigkeit als drauf steht, die Kriterien sind nicht immer deutlich. Ein Gütesiegel soll Anlegern ab sofort die Orientierung erleichtern: das „Europäische Transparenzlogo“ – zwei ineinander liegende goldene Ringe, wobei der kleinere wie eine Lupe die ersten drei Buchstaben des Wortes „transparent“ vergrößert.

Das Logo vergibt Eurosif, der europäische Dachverband für nachhaltige Geldanlagen in Brüssel. Um es zu erhalten, müssen Anbieter von Fonds mit Umwelt- und Sozialkriterien die strengen Transparenzleitlinien erfüllen, die Ende 2004 lanciert wurden. Sie müssen Anleger und Verbraucher offen, ehrlich und korrekt informieren, so dass diese die Politik und Praxis der jeweiligen Fonds verstehen können. Bis April haben europaweit 50 Finanzdienstleister für mehr als 140 Fonds die Leitlinien unterzeichnet.

Doch eine Unterschrift genügt Eurosif.org nicht. Vor Vergabe des Logos prüfen die nationalen Foren für nachhaltige Geldanlagen die Unterlagen der Anbieter genau. Detailliert zu beantworten sind zahlreiche Fragen zu Kerndaten und Historie des Fonds, Nachhaltigkeitsverständnis, Investmentkriterien, Researchverfahren, externe Kontrolle, Auswertung und Verwendung der Informationen, Stimmrechtsausübung und Informationspolitik gegenüber den Anlegern. Dies umfassend zu beantworten sei selbst für spezialisierte Anbieter sehr aufwändig, heißt es unter anderem bei der Schweizer Sustainable Asset Mangagement (SAM), einem in dem Segment führenden Institut.

Zudem vergibt Eurosif das Logo nur für ein Jahr. Anschließend müssen die Anbieter ihre Angaben aktualisieren und es wird neu geprüft, ob sie die notwendige Transparenz wirklich gewährleisten. Das soll zur Qualitätssicherung beitragen. Damit will sich die Branche auch gegen unliebsame Trittbrettfahrer schützen.

Damit kein Schindluder mit dem Logo getrieben wird, sind die Regeln streng. Es darf nur dann vorne auf einem Prospekt prangen, wenn dies ausschließlich nachhaltige, die Standards erfüllende Fonds aufführt. Enthält ein Dokument auch konventionelle Produkte, darf das Logo nur auf den Seiten erscheinen, die nachhaltige Fonds erläutern. Zusätzlich ist stets zu erklären, was es bedeutet: Es signalisiert, dass sich der Fondsmanager verpflichtet, korrekt, angemessen und rechtzeitig zu informieren, um Kunden und Interessierten zu ermöglichen, die Ansätze und Methoden der nachhaltigen Geldanlage des Fonds nachzuvollziehen.

Trotzdem wird auch künftig keine vollständige klare Sicht möglich sein. Denn die Anbieter planen keine Harmonisierung der Kriterien und Methoden zur Beurteilung, ob Unternehmen nachhaltig wirtschaften. Dies wäre auch nicht sinnvoll, denn Anleger definieren Nachhaltigkeit verschieden. So halten manche die Verbreitung von Verhütungsmitteln für wichtig, um Bevölkerungswachstum und Armut in Entwicklungsländern zu senken, für Kirchen hingegen sind Hersteller der Mittel tabu.

Infolgedessen bieten die unterschiedlichen Kriterien und Methoden Vorteile: Anleger können sich je nach ihren Interessen und Bedürfnissen ein Verfahren auswählen. Zudem bewirkt der Wettbewerb, dass die Fondsanbieter ihre Werkzeuge und Prozesse verfeinern und verbessern.

Allein im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen 186 Publikumsfonds mit einem Gesamtwert von rund 27,5 Mrd. Euro, wie das Sustainable Business Institut (SBI) berechnete. Auch an ihnen ging die Börsenflaute im ersten Quartal nicht vorbei. Zum Jahreswechsel betrug das Gesamtvolumen noch 33,6 Mrd. Euro. Vier Fünftel sind in Aktien investiert. Bei den besten Fonds sank der Wert um zwei bis fünf Prozent, bei den andern um bis zu 28 Prozent.

Aktienanlagen mit ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien unterscheiden sich bei der Wertentwicklung nicht von konventionellen Aktienanlagen. Dies bestätigt eine aktuelle Studie des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Universität Stuttgart über Portfolien langfristig orientierter Stiftungen. „Bemerkenswert ist allerdings, dass die Performance umso besser wird, je stärker die Nachhaltigkeitskriterien bei der Aktienauswahl und der Portfoliozusammensetzung berücksichtigt werden“, berichtet Mitautor Michael Schröder vom ZEW. Unerwartetes Ergebnis ist, dass auch unter Berücksichtigung des Risikos strenge Nachhaltigkeitsindizes wie der Natur-Aktien-Index besser abschneiden als breit diversifizierte Indizes wie der Dow Jones Sustainability (DJSI) oder der FTSE4Good.

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