Nachlassendes Gewinnwachstum in Europa veranlasst Analysten zur Trendwende
Strategen setzen auf defensive Aktien

Die Aussicht auf weniger Gewinnwachstum in Europa veranlasst Aktienexperten, ihre Strategien zu ändern. Die Tendenz vieler Analysten geht nun hin zu weniger zyklischen und damit mehr defensiven Werten, nachdem zu Jahresbeginn noch deutlich mehr offensive Werte gefragt waren.

FRANKFURT/M. Die Banken erwarten für das laufende Jahr ein deutliches Nachlassen der Gewinndynamik europäischer Unternehmen. Einzige Ausnahme ist der deutsche Aktienmarkt. Hier rechnen Analysten im laufenden Jahr mit rund doppelt so hohem Gewinnwachstum wie im gesamteuropäischen Kontext. Bei ABN Amro beispielsweise sagt Lars Kreckel für den Deutschen Aktienindex (Dax) mit Wachstumsraten von 21 Prozent voraus, während er insgesamt in Europa nur mit zehn Prozent rechnet.

Noch skeptischer sind die Experten von Morgan Stanley. Sie gingen noch bis vor kurzem von von einem Gewinnwachstum von 9,1 Prozent für Werte aus dem paneuropäischen Auswahlindex MSCI Europe aus und haben diese Zahl nun auf fünf Prozent herunter geschraubt. Die Konsequenz: Ein Umdenken hin zu defensiveren Werten setzt ein.

„In sieben der letzten neun Perioden mit negativen Gewinnrevisionen, fiel anschließend auch der MSCI Europe“, begründet Ben Funnell von Morgan Stanley diesen Schritt. Er favorisiert so genannte „Bullet Proof Earnings Stocks“. Darunter versteht er Aktien von Unternehmen, bei denen das Management historisch betrachtet stets gute Arbeit geleistet hat. Dort gingen die Gewinne tendenziell auch dann nicht zurück, wenn dies im Gesamtmarkt der Fall war. Paradebeispiele unter den europäischen Standardwerten sind für ihn Sanofi Aventis, Diageo, Imperial Tobacco, Royal Bank of Scotland, Tesco, Cadbury, Eni, Atlas Copco, Scottish & Southern Energy sowie Astra Zeneca.

Neben dem Bullet-Proof-Ansatz kommen derzeit weitere, alt bekannte Strategien wieder in Mode. Zum einen ist der Blick auf das „Beta“ wieder in vollem Gange. Hierbei handelt es sich um die Abweichung einer Aktienrendite der letzten 250 Tage im Verhältnis zur Indexrendite. Rolf Elgeti von ABN Amro sucht deshalb nach Werten mit niedrigem Beta in fallenden und hohem Beta in steigenden Märkten. Unter den Versorgern sieht er hier speziell bei der britischen National Grid, der italienischen Enel und der belgischen Electrabel gute Chancen.

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