Namhafte Banken und Asset-Manager empfehlen das Edelmetall zur Risikostreuung
Vermögensverwalter entdecken Gold

Die Investmenthäuser entdecken Gold als Instrument zur Risikostreuung bei der Vermögensanlage. Mit der Deutschen Bank und der Allianz machen sich jetzt zwei der weltgrößten Vermögensverwalter für das Edelmetall stark. Damit ist Merrill Lynch unter den globalen Asset-Managern nicht mehr allein auf weiter Flur.

FRANKFURT/M. Bisher tummelten sich vor allem Einzelkämpfer aus der internationalen Vermögensverwalterszene und einige kleinere Banken auf dem Gold-Spielfeld – mit großem Erfolg für ihre Kunden. Vor allem einige Gurus rühren seit längerem die Trommel für das archaische Metall: Marc Faber in Hongkong, Felix Zulauf im schweizerischen Zug, Jim Rogers in New York (Handelsblatt vom 11.8., 31.7.). Vor kurzem gesellte sich der renommierte US-Analyst Richard Russell zu dieser illustren Gruppe. Der 79-jährige setzt eine verwegene Marke bei der empfohlenen Goldquote im Depot. „Ein Drittel sollte es sein“, sagt er im kalifornischen La Jolla dem Handelsblatt.

Die meisten großen Finanzhäuser halten sich aber fast durchweg bedeckt. Sie ignorieren die Einsatzmöglichkeiten des Edelmetalls als Instrument zur Risikostreuung. So winkt ein Vertreter der schweizerischen UBS ab: „Wir schätzen das Potenzial von Gold zur Portfolio-Diversifikation als nicht sehr hoch ein.“ Außerdem verweisen Kritiker auf die Enge des Goldmarkts.

Doch die Einstellung in der Branche beginnt sich zu ändern. In vorderster Reihe der „Umdenker“ steht Klaus Martini, Chef-Anlagestratege für das globale Privatkundengeschäft bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Er sagt dem Handelsblatt: „Wir empfehlen eine Goldquote von bis zu fünf Prozent.“ Er rechnet fest damit, „dass Gold als Absicherung gegen unerwartete Inflationsgefahr mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir raten zu Barren, Goldminenfonds und -aktien, Zertifikaten und Optionsscheinen“. Auch Frank Veneroso in San Francisco meldet sich zu Wort. Als einer der Chef-Investmentstrategen bei Allianz Dresdner Asset Management (Adam) macht er dadurch auf sich aufmerksam, dass er eine langfristige Gold-Hausse voraussagt. Gegenüber dem Handelsblatt will Veneroso aber nicht konkreter werden.

Die Meinungen von Martini und Veneroso könnten Durchschlagskraft in ihren Konzernen entwickeln und dürften dann Wirkung am kleinen Goldmarkt entfalten. Immerhin verwaltet die Deutsche Bank weltweit für Privatkunden fast 300 Mrd. Euro, insgesamt an die 1 000 Mrd. Euro. Adam bringt es ohne das eigene Versicherungsgeld auf 570 Mrd. Euro.

Manchen Top-Häusern dämmert es, dass die knapp 20-jährige Hausse der Aktienmärkte vor wenigen Jahren beendet wurde, spiegelbildlich die Rohstoffpreise vor rund zwei Jahren einen langfristigen Aufschwung gestartet haben. Aber nicht nur die Finanzhäuser, auch private und institutionelle Anleger haben die Marktbewegungen bisher hartnäckig ignoriert. Sie sind praktisch nicht in Gold investiert. Und das trotz markanter Performancedaten, die Trendwenden signalisieren: In den vergangenen drei Jahren verloren Aktien in der Spitze die Hälfte ihres Wertes, der Goldpreis sprang dagegen um ein Drittel nach oben – andere Rohstoffe ebenso.

Merrill Lynch warf das Ruder schon vor einem Jahr herum. „Wir empfehlen seitdem eine fünfprozentige Quote von Gold und Goldaktien“, sagt Ewen Cameron Watt in London. Der Leiter Research und Anlagestrategie bei Merrill Lynch Investment Managers argumentiert: „Die globale Verschuldung hat enorm zugenommen, das senkt das Vertrauen in den Dollar und das Papiergeld im allgemeinen.“ Er spricht von einem „Bedürfnis nach Diversifikation“. Cameron Watt sieht „Gold als vierte Währung“, die im Gegensatz zu den drei großen Währungen „nicht beliebig vermehrbar, deshalb nicht durch Inflation entwertbar und damit ein Hort der Sicherheit ist“.

Dank der jüngsten Äußerungen wird die deutsche Goldszene nicht länger von kleineren Häusern dominiert: der HSBC Trinkaus & Burkhardt und der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank). Markus Mezger, bei der BW Bank verantwortlich für Anlagestrategien im Aktien- und Rohstoffbereich, sagt ähnlich wie Martini und Cameron Watt: „Gold ist die beste Währung, weil sie nicht von den Notenbanken gedruckt und damit nicht entwertet werden kann.“ Er rät den Vermögensverwaltungskunden zu einer Goldquote von fünf bis acht Prozent: „Den Schwerpunkt sollten physisches Gold und ein wenig Silber bilden.“ Mezgers Goldpreisziel für die Jahre 2005 und 2006 liegt bei 600 bis 800 Dollar je Unze. Derzeit kostet die Unze Gold rund 375 Dollar.

Auch Stefan Schilbe registriert den „Beginn eines Bullenmarktes“. Der Chef-Volkswirt bei Trinkaus empfiehlt den Privatkunden seit Februar eine Depotquote von fünf bis zehn Prozent: „Wir raten zu physischem Metall, Anleihen und Zertifikaten, weniger zu Minenaktien und Fonds.“

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