National-Bank rechnet mit 5 000 Zählern im Dax
Banken erwarten Punktsieg für Aktien

Die Aussichten für das Börsenjahr 2005 sind nicht schlecht. Der Dax wird nach Meinung in- und ausländischer Banken und Investmenthäuser in den nächsten zwölf Monaten leicht zulegen. Allerdings erwarten die Banker einen starken Zinsanstieg, der den Dax bremsen sollte. Das ist das Ergebnis der traditionellen Umfrage des Handelsblatts unter 32 Instituten zu den Finanzmarktaussichten im nächsten Jahr.

HB FRANKFURT. Im Durchschnitt der Prognosen wird der Dax Ende nächsten Jahres bei 4 558 Punkten gesehen. Das entspräche einem Kursgewinn von knapp sieben Prozent gegenüber dem Schlussstand vom Dienstag. Zu einer deutlichen Verschlechterung kommt es bei den Zinsen. Die aktuelle Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen, die als Stimmungsbarometer für den Euro-Rentenmarkt gelten, wird mit 4,34 Prozent geschätzt. Das entspricht aus heutiger Sicht einem Anstieg um fast einem drei viertel Prozentpunkt. Den Kurs des Euros sehen die Volkswirte und Analysten bei 1,32 Dollar und damit vier Cent niedriger als aktuell. Damit wäre die Zeit des stark steigenden Euros, der die vergangenen Monate geprägt hatte, wieder vorüber. Für einen Dollar sollen im Vergleich zu heute 101 Yen hingelegt werden. Das wären zwei Yen weniger als heute.

Im vergangenen Jahr lagen die befragten Institute mit ihrer Dax-Prognose zum zweiten Mal in Folge erstaunlich gut. Mit dem für Ende 2004 vorhergesagten Stand von 4 318 Zählern ist der Abstand zu den aktuellen 4 262 Punkten gering. Nach diesem Wert hatte es im ersten Halbjahr dieses Jahres noch nicht ausgesehen. Erst Mitte November setzte der Index zu einem kräftigen Anstieg an. Dabei hatten die Märkte einiges zu verdauen. Angefangen von Ängsten über neue Terroranschläge und die Probleme der USA im Irak über einen rasant steigenden Ölpreis, der ungekannte Höhen erklomm, bis hin zum Verfall des Dollars gegenüber dem Euro. Allerdings hatte sich die Schweizer Privatbank Syz & Co. mit vorhergesagten 5000 Zählern zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Die mutigste Aktienprognose für das nächste Jahr wagen die Privatbanken, allen voran die National-Bank in Essen. Sie geht von einem Dax-Stand von 5 000 Punkten zum Jahresende 2005 aus. Das entspräche einem Plus von gut 17 Prozent. Die Analysten des Instituts erwarten, dass die Weltaktienmärkte unter Führung der US-Leitbörse insgesamt größere Kursgewinne erzielen werden als in diesem Jahr. Die robuste US-Konjunktur und der expandierende Welthandel sollen auch den deutschen Aktienmarkt stützen. Allerdings würden mittel- und langfristig wirksame strukturelle Wachstumshemmnisse sowie die Effekte der Euro-Aufwertung verhindern, dass das Anlageergebnis höher ausfällt als in den USA.

Optimistisch für deutsche Aktien zeigen sich insbesondere auch das Bankhaus Lampe, die Berenberg Bank, Hauck & Aufhäuser, M.M. Warburg, Syz & Co sowie die Commerzbank. Ihre Prognosen liegen alle zwischen 4 750 und 4 800 Punkten. Nach der weitgehenden Stagnation der Kurse im Jahr 2004 sieht die Commerzbank „insbesondere europäische Aktien als günstig bewertet, sowohl auf Basis der erwarteten Gewinne als auch im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren“. Da gleichzeitig die Kursbremsen dieses Jahres – Ölpreisexplosion und Euro-Aufwertung – in dieser Form nicht wieder belasten würden oder sogar Entlastung brächten, werde sich das fundamentale Umfeld für Aktien verbessern.

Mit einem derartigen Szenario können sich die Banker von HSBC Trinkaus nicht anfreunden. Für die Pessimisten unter den befragten Banken ist klar: Der Dax wird auf 4 100 Zähler fallen. Der Markt wird belastet „durch schwächeres Wachstum im Euro-Raum, wo rund 52 Prozent der Umsätze der Dax-Unternehmen erzielt werden“. Außerdem belaste die Dollar-Abwertung die Gewinne und wirke sich negativ auf die 2004 noch stark gestiegenen Margen der Unternehmen aus. Auch die Weberbank und das Schweizer Bankhaus Pictet sind mit einer Dax-Prognose von 4 200 bzw. 4 250 Punkten zum Ende nächsten Jahres in die Reihe der Vorsichtigen einzuordnen. Gerade die Weberbank beschäftigt ebenfalls der schwache Dollar, der erneut die Unternehmen belasten sollte.

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Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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