Nebenwerte
Warum die Kleinen eine gute Idee sein können

In Zeiten von Niedrigzinsen und Unsicherheiten wie dem Brexit fällt die Geldanlage immer schwerer. Kleine Nebenwerte können daher eine gute Ergänzung sein – haben aber auch ihre Nachteile.

FrankfurtVon der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hält Rainer Matthes wenig. „Früher war Preisstabilität das Ziel der EZB“, sagt der Anlagestrategie-Chef der Metzler Bank bei einem Pressegespräch, „heute ist dieses Programm Alibi“. Die Kapitalmärkte seien massiv manipuliert: Geldpolitik und Regulierung würden die Preisbildung treiben und zu starken Fehlallokationen von Kapital führen. Unternehmensanleihen würden jetzt bereits mit negativen Zinsen emittiert.

Außerdem gehört die Metzler Bank zu jenen, die fürchten, die EZB werde demnächst direkt Aktien kaufen. In dieser Situation ist es schwierig, Anlagesegmente zu finden, die eine gute Rendite bringen. Matthes stellt klar: „Aus unserer Sicht sind das die Nebenwerte.“ Sie gehörten in jedes ausgewogene Portfolio.

Nebenwerte, das sind Aktiengesellschaften mit geringerem Börsenwert. Sie sind dementsprechend nicht in den großen Indizes wie dem Dax gelistet, sondern – wenn überhaupt – in MDax oder SDax. Daher werden sie Mid Caps, Small Caps oder Micro Caps genannt.

Lorenzo Carcano, der bei der Metzler Bank Portfolios für genau solche Unternehmen steuert, sagte: „Europäische Small Caps boten in der Vergangenheit besonders in schwierigen Marktphasen gute Einstiegschancen, und auch das Brexit-Referendum sorgte in diesem Segment nur für eine kurzzeitige ‚Abstrafung‘ an der Börse.“ Die jährliche Mehrrendite von Nebenwerten gegenüber Large Caps sei beachtlich: Einen Gesamtertrag von 6,55 Prozent im Jahr hätten die 200 kleinsten Aktien im Stoxx-Universum seit 1999 erzielt, im Gegensatz von nur 2,44 Prozent bei den 200 größten.

Eine ähnliche Schlussfolgerung lässt sich aus den Zahlen der Asset-Management-Gesellschaft Lupus alpha ziehen. Sie verglich den Verlauf des sogenannten Stoxx Europe TMI Small Index, der die Entwicklung kleinerer europäischer Unternehmen zeigt, mit dem Stoxx Europe 50, der fünfzig europäische Large Caps abbildet. Das Ergebnis: Hätte ein Anleger vor 15 Jahren in europäische Nebenwerte  investiert, dann hätte sich das Kapital bis heute fast verdreifacht.

Der Wert der 50 größten Unternehmen in Europa hingegen blieb im selben Zeitraum unterm Strich unverändert. Carcano von der Metzler Bank sagt, immer mehr Anleger würden die „unterschätzte Anlageklasse“ der Nebenwerte gerade entdecken.

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