Neue Anlageklassen
Der Handel mit Krediten boomt

Der Handel mit Unternehmenskrediten erlebt einen regelrechten Boom. Der Markt für so genannte „Leveraged Loans“ ist in den USA mit rund 1 000 Mrd. Dollar größer als der wesentlich bekanntere Markt für Hochzinsanleihen.

FRANKFURT. Der Handel mit Unternehmenskrediten erlebt einen regelrechten Boom. Der Markt für so genannte „Leveraged Loans“ ist in den USA mit rund 1 000 Mrd. Dollar größer als der wesentlich bekanntere Markt für Hochzinsanleihen. Von den USA aus schwappt diese Popularität seit dem Jahr 2000 immer stärker auch auf Europa über. Das Gesamtvolumen von bei institutionellen Investoren platzierten Unternehmenskrediten liegt inzwischen bei mehr als 550 Mrd. Euro.

Als Leveraged Loans werden in Fachkreisen die an Unternehmen zu variablen Zinsen herausgegebenen Kredite verstanden, die eine unterhalb der Bonitätsgrade BBB oder Baa3 liegende Bewertung aufweisen. Bekanntlich gelten Unternehmen, deren Wertpapiere von den Ratingagenturen mit BBB- (Standard & Poor’s) oder Baa3 (Moody’s) eingestuft werden, gerade noch als „investitionswürdig“. Leveraged Loans weisen im Gegensatz dazu zwei andere wichtige Eigenschaften auf. „Die aus der vorrangigen Befriedigung dieser Darlehen resultierende Vorzugsstellung für Investoren wird im Vergleich zu den bekannten Ratings heute noch sehr stark unterschätzt“, sagt Joachim Leissner, Leiter des Produktmanagements bei Credit Suisse in Frankfurt. Darüber hinaus sind Leveraged Loans durch Vermögenswerte wie Immobilien, Fuhrpark, Maschinen oder das Inventar des Kreditnehmers besichert.

„Wegen der flexiblen Verzinsung und der hohen Besicherung zeichnet sich diese Anlageklasse durch geringe Preisfluktuation und eine niedrige Korrelation zu anderen Anlageklassen aus“, ergänzt Björn Storim von Credit Suisse in London. Die Besicherung begrenze den potenziellen Verlust bei Kreditausfällen. Statistiken zeigen, dass die Kurve der Zahlungsausfälle bei Unternehmenskrediten stark mit dem Konjunkturzyklus korreliert. Im Jahr 2001 lagen die Kreditausfälle in den USA bei 7,6 Prozent, im Jahr 2005 fielen sie auf etwa 1,7 Prozent.

Ein Grund für den Boom dieses Marktes ist darin zu sehen, dass Banken auch wegen restriktiver Eigenkapitalvorschriften die Risiken durch die Syndizierung von Krediten auf mehrere Schultern verteilt haben. Banken können ihren Kunden durch Syndizierungen – Einbindung anderer Banken in die Kreditvergabe – zudem erweiterte Möglichkeiten bei der Kapitalbeschaffung bieten und das eigene Kreditportfolio in andere Branchen, Länder und Weltregionen ausweiten. Der dahinter stehende Gedanke läuft auf die Begrenzung von Einzelrisiken durch die Diversifizierung des Kreditportfolios hinaus. Ein solches Vorgehen wird im Rahmen der Eigenkapitalvorschriften nach Basel II auch von den Aufsichtsbehörden verlangt.

Seit Anfang der 90er-Jahre nutzen Banken in den USA ihre vielfältigen Kundenbeziehungen, um Unternehmenskredite zu verbriefen und an Banken, Pensionskassen, Versicherungen und Hedge-Fonds zu verkaufen. Eine ähnliche Entwicklung ist mit rund zehnjähriger Verspätung jetzt auch in Europa festzustellen.

Findige Köpfe in den Investmentbanken sind dabei, den bisher vor allem Institutionellen vorbehaltenen Markt für Unternehmenskredite auch privaten Investoren zu öffnen, indem sie diese Kredite in Wertpapierstrukturen verpacken. Dies ist der hohen Liquidität des Sekundärmarktes – also dem Handel von Leveraged Loans – zu verdanken. Hierdurch ist eine aktive Verwaltung des Kreditportfolios möglich geworden. „Dort, wo der Kreditmarkt wächst und sich in seinen Strukturen weiterentwickelt, können wir den Markt stärker kultivieren und neue Produkte kreieren“, sagt Derek Smith, geschäftsführender Direktor und Leiter des Bereichs Credit Trading bei der Deutschen Bank in New York.

Die Credit Suisse hat Unternehmenskredite jetzt in eine „Collateralized Loan Obligation – CLO“ (besicherte Kredit-Obligation) verpackt. Dabei wird eine Zweckgesellschaft gegründet, die in Portfolios aus Unternehmenskrediten investiert und sie in verschiedene Risikoklassen (Tranchen) strukturiert. Über das CS Polo Zertifikat können erstmals auch Privatanleger ab einer Mindestsumme von 50 000 Euro eine CLO-Tranche kaufen.

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