Neue Bewertungsansätze helfen bei der Auswahl lukrativer Aktien aus der zweiten Reihe
Börsianer suchen mit großem Aufwand nach kleinen Werten

Die Auswahl lukrativer Nebenwerte wird schwieriger. Denn viele kleine (small caps) und mittelgroße (midcaps) Aktiengesellschaften haben in den vergangen Jahren erhebliche Kursgewinne verzeichnet. Experten stellen sich bereits auf Rückschläge ein. Gleichwohl suchen sie mit großem Aufwand unter mehreren tausend Unternehmen nach kleinen Werten, die nach wie vor gute Perspektiven versprechen.

FRANKFURT/M. Denn Aktien aus der zweiten und dritten Reihe sichern das Depot ab und peppen zudem die Rendite auf, wie eine aktuelle Studie belegt. Die Grundfrage der so genannten Stockpicker lautet: Wie lassen sich lukrative Titel entdecken? Die Antwort: Nicht am Schreibtisch.

Mindestens 1 500 kleinere europäische Aktien beobachten beispielsweise die Experten von Goldman Sachs Asset Management. Ständige Meetings mit dem Management und viele Reisen, um Produktion, Positionierung auf dem Heimatmarkt, Lieferanten und Wettbewerber beurteilen zu können, gehören dabei zum täglichen Geschäft. Eine führende Marktposition, Finanzkraft und die Möglichkeit, vom strukturellen Wachstum der Branche zu profitieren, spielen bei der Beurteilung ebenso eine Rolle wie die strategischen Ziele des Managements und eine erfolgreiche Aktienentwicklung, wie der Leiter des europäischen Small-cap-Teams in London, Prashant Bhayani, erläutert. Trifft das alles zu, spielt zu guter Letzt die Frage der Bewertung die entscheidende Rolle, ob investiert wird. „Der Aktienkurs sollte einen attraktiven Abschlag gegenüber unserem Preisziel darstellen“, sagt Bhayani. Die 60 bis 90 besten Ideen stehen am Ende des Selektionsprozesses im Portfolio, das wöchentlich überprüft wird.

Wichtig ist bei der Auswahl eine ausgewogene Mischung nach Ländern und Branchen. Hinzu kommen regionale Sonderthemen wie staatliche Infrastrukturprogramme, Sonderkonjunkturen und die Outsourcing-Welle großer Konzerne, von der Small- und Midcaps als Zulieferer immer stärker profitieren. Die Automobil- und die Pharmaindustrie sind für Karl Fickel von der auf Small- und Midcaps spezialisierten Fondsgesellschaft Lupus Alpha hierfür die besten Beispiele. Außerdem gilt es zu bedenken, dass kleine und mittlere Unternehmen stärker von unternehmensspezifischen Faktoren beeinflusst werden als die großen Konzerne. „Bei denen stehen globale Einflussfaktoren im Vordergrund“, sagt Fickel.

Erschwert wird die Suche der Anlageexperten allerdings dadurch, dass viele Banken gerade im Bereich Small- und Midcaps in den vergangenen Jahren die Zahl ihrer Analysten abgebaut hat. Bei vielen Aktien, die auf den ersten Blick interessant erscheinen, gibt es deshalb häufig das Problem, dass sie nur von wenigen oder teilweise gar von keinem Analysten beobachtet werden. Laut einer Studie von Credit Suisse First Boston (CSFB) wurden europäische Unternehmen mit einem Börsenwert unter einer Milliarde Euro im Jahr 2000 noch von acht Profis analysiert, im vergangenen Jahr waren es nur noch drei.

Gerade kleinere Analysehäuser haben diese Nische inzwischen als Chance erkannt. Die Frankfurter Investmentbank Equinet gehört beispielsweise seit Jahresbeginn dem European Securities Network (ESN) an. Dabei handelt es sich um ein Netz von zehn europäischen Banken aus Italien, Belgien, Portugal, Spanien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Finnland, Irland, Großbritannien und nun auch Deutschland, die sich gegenseitig aushelfen, wenn einer ihrer institutionellen Kunden Analysematerial aus dem jeweiligen Land wünscht. „Dann kann beispielsweise bei Bedarf auch schnell der Analyst aus Griechenland eingeflogen werden, wenn Bedarf ist“, sagt Equinet-Vorstand Lutz Weiler.

Die Entscheidung, welche Aktie letztlich gekauft werden soll, wird so zwar erleichtert, aber nicht abgenommen. Trotz der großen Bandbreite zeichnen sich Vorlieben für einzelne Aktien ab. Lupus-Alpha-Experte Fickel beispielsweise setzt derzeit unter anderem auf den niederländischen Markt und speziell auf Aalberts Industries. Dieser Wert gehört auch bei Goldman Sachs zu den Top-Werten im Portfolio. Bei anderen Smallcap-Experten steht der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli in der Gunst ganz oben. Deren gestern vorgelegte Zahlen, die nach Meinung von Analysten erneut exzellent ausfielen, bestätigten das.

Gute Beimischung

Weniger Risiko: Anleger, die in ihrem Portfolio zu den großen Werten Aktien von kleinen und mittleren Unternehmen beimischen, senken damit generell ihr Risiko. Gleichzeitig steigern sie dadurch die Rendite. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Mannheimer Bankbetriebslehre-Professors Martin Weber. Weber untersuchte die Entwicklung von 17 europäischen Standardwerte- Indizes, zehn Indizes für mittlere und 16 Indizes für kleine Aktien innerhalb der letzten zehn Jahre.

Weniger Gleichklang: Grund für diese Entwicklung ist, dass Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen weniger stark im Gleichklang laufen als die großen, marktschweren Titel. Gerade die kleinen Werte aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und den Niederlanden bieten der Studie zufolge eine Alternative, weil die Schwankungen der Rendite dort eher von unternehmensspezifischen und weniger von globalen Faktoren beeinflusst wird.

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